Leserfragen (März 2024)


 Frage vom 20.03.2024

#Verbio günstig genug?

Hallo Herr Heibel,
mich würde ihre Meinung zu VERBIO interessieren. Der Abwärtstrend ist noch intakt. Die Bewertung spiegelt das Geschäft in Deutschland wieder. In den USA gibt es 2 Anlagen, die bald in Betrieb gehen quasi umsonst dazu…
Viele Grüße, Thomas aus Dresden

 Antwort:

… und trotz des anhaltenden Kursrückgangs ist die Aktie noch nicht billig :-(. Das EV/EBITDA steht bei 9, was dem historischen Durchschnitt entspricht. Im laufenden Bilanzjahr 2024 (bis Mitte 24) wird ein Umsatzrückgang von 15% befürchtet, der Gewinn je Aktie wird sich Analystenerwartungen zufolge mehr hals halbieren.

Im Jahr danach kommt es den Erwartungen zufolge zu einer Normalisierung im Baumarkt. Der Gewinn könnte sich dann wieder verdoppeln, der Umsatz wieder um 15% ansteigen. Entsprechend könnte sich der aktuelle Aktienkursrückgang als temporär entpuppen.

Verbio verdient mit Bio-Spritstoffen Geld, deren Preis sich in Abhängigkeit vom Ölpreis, aber auch von alternativen CO2-Einsparmöglichkeiten bildet. Derzeit bekommt Bio-Sprit Konkurrenz vom Wasserstoff, natürlich weiterhin von Wind und Sonne etc. Eigentlich muss man die Fördertöpfe des Bundes analysieren, um herauszufinden, was für Verbio dabei an Geschäft abfallen kann. Für meinen Geschmack ist das derzeit zu kompliziert.


 Frage vom 15.03.2024

#Börsengang Douglas & Bitcoin-Sparplan für junge Leute

Guten Morgen Herr Heibel,
möchte o.a. Aktie zeichnen, was halten Sie davon und mein Enkel möchte mtl. 100€ langfristig ansparen. Was würden Sie empfehlen?
Gruß
Friedhelm aus Driedorf

 Antwort:

Junge Leute können gerne spekulativ unterwegs sein. Ich würde derzeit einen Sparplan empfehlen, mit dem monatlich ein wenig Bitcoin gekauft wird. Ich hatte Relais als entsprechende Plattform dafür empfohlen. Ja, daraus können Sie ablesen, dass ich nach wie vor von der Zukunftsfähigkeit des Bitcoins überzeugt bin :-).

Der Börsengang von Douglas soll Ende nächster Woche 800 Mio. - 1,2 Mrd. EUR einbringen, der Betrag wird überwiegend zur Schuldentilgung verwendet. 32,7 Mio. Aktien werden zum Kurs von 26-30 Euro angeboten. Rund 30% der Anteile sollen im Rahmen des IPOs über die Frankfurter Börse ausgegeben werden, damit ergibt sich ein möglicher Unternehmenswert von bis zu 3,7 Mrd. Euro.

Ich setze mich im Vorfeld niemals hin und rechne diese Zahlen nun durch, um mir ein Bild darüber zu machen, ob das Angebot gut ist, oder nicht. Im Rahmen eines Börsengangs gibt es Scharen von Analysten, die das Unternehmen auf links krempeln und schließlich mit diesen Zahlen an die Öffentlichkeit gehen. Wie kann ich da herausfinden, ob das günstig oder teuer ist? Nein, das wird anderswo entschieden.

Meistens hängt der Erfolg oder Misserfolg von der aktuellen Marktlage ab: Sind die Banken, die den IPO organisieren, unter Zugzwang, ihren Kunden einen schönen IPO zu präsentieren, oder nicht? Ist das Unternehmen selbst unter Zugzwang, an die Börse zu gehen? Möchten die heutigen Anteilseigner Kasse machen oder suchen sie nach langfristig verlässlichen Anlegern?

Viele Börsengänge gab es nicht in der jüngeren Vergangenheit. Daher kann es durchaus sein, dass die Banken ein Interesse daran haben, den Emissionspreis günstig zu setzen, um im Anschluss einen steigenden Aktienkurs vorweisen zu können. Das würde dann in der Öffentlichkeit als „erfolgreicher IPO“ gewertet werden, wenngleich die Altaktionäre sich vielleicht einen höheren Emissionserlös gewünscht hätten.

Für eine langfristige Einschätzung der Douglas-Aktie warte ich in der Regel mindestens 6 Monate nach einem IPO, denn dann kann ich besser abschätzen, wie viel der jüngeren Geschäftsentwicklung für den Börsengang aufgehübscht wurde und wie eine normale Geschäftsentwicklung aussieht.


 Frage vom 07.03.2024

#Quellensteuer auf Dividenden in Brasilien

Hallo Herr Heibel,

Besten Dank für Ihre Informationen zur Rückerstattung der Quellensteuer vom 1.März 24.

Ich möchte Sie fragen, wie und in welchem Umfang ich die Quellensteuer auf Titel aus Brasilien zurückfordern kann.

Vielen Dank im voraus.

Herzliche Grüsse
Christoph vom Thunersee

 Antwort:

Meine Recherchen haben ergeben, dass es in Brasilien keine Quellensteuer auf Dividenden gibt. Eine Quellensteuer von 15% fällt lediglich auf Zinsen an. Weitere Länder, die keine Kapitalertragssteuer auf Dividenden erheben, sind Großbritannien, Irland, Spanien, Portugal, Monaco, Thailand & Dubai.

Ungeachtet der Steuerfreiheit in Brasilien müssen Sie als in Deutschland Ansässiger Ihre Dividendeneinkünfte bei der Steuererklärung angeben. Diese werden dann entsprechend ihrem hiesigen Steuersatz besteuert.


 Frage vom 07.03.2024

#Kündigung der Börsennotierung der HAEMATO AG

Guten Tag Herr Heibel,
Natürlich werde ich verlängern.
Können Sie bitte mal versuchen, etwas näheres über Hämato herauszufinden.
Die werden an den meisten Börsen nicht mehr notiert.
Wie kann das weitergehen ?

Danke und
Mit freundlichen Grüßen
Norbert aus Butzbach

 Antwort:

Das Unternehmen hat entschieden, die Notierung an der Börse zu kündigen. Damit gibt es bald, also eigentlich seit Ende Februar - es werden derzeit jedoch noch täglich Kurse gestellt - keinen Handel mehr. Als Privatanleger haben Sie dann keine Möglichkeit, Ihre Papiere zu verkaufen. Ich würde daher verkaufen, solange es noch geht.

Über die Gründe gibt es leider keinerlei Informationen.

Wenn ich mir die Zahlen anschaue, sieht das Ganze gar nicht so schlecht aus. Das EV/EBITDA liegt bei nur 5, Umsatz und Gewinn entwickeln sich durchwachsen, aber mit positiver Tendenz. Es gibt sogar eine Dividende.

Als Aktionär können Sie sich nun direkt an das Unternehmen wenden, um weitere Informationen einzufordern. Ich habe keine Ahnung, was diese Aktion soll. Sollte es sich zum Positiven wenden, könnten Sie sich in einigen Jahren über einen Kursgewinn freuen - müssten jedoch in der Zwischenzeit im Blindflug dabei bleiben, ihr Kapital wäre quasi blockiert. Sollte es sich zum Schlechten entwickeln, haben Sie dann keine Chance mehr, Ihr Kapital mit vertretbarem Verlust abzuziehen. Ich würde in den sauren Apfel beißen und verkaufen, solange es noch geht.

b>RÜCKMELDUNG
Vielen Dank für Ihre Mühe !
Ich denke, hier sollen die freien Aktionäre billig rausgedrückt werden - wie zB auch bei Aurelius.
Ich werde mich mal an die SdK wenden.
Viele Grüße aus Butzbach/Hessen
Norbert


 Frage vom 07.03.2024

#Behandlung der Quellensteuer in den Niederlanden bei DeGiro

Sehr geehrter Herr Heibel

Börse macht im Moment ja richtig Spaß (vor allem wenn man rechtzeitig bei NVIDIA eingestiegen ist ;-) )

Ich hätte mal eine Frage:
Könnten Sie bitte erklären wie Flatex-De Giro bzw. De Giro zusammenhängen? Ist das eine Tochterfirma oder haben die nur den gleichen Namen?

Beim Suchen nach einem evtlen. neuen Broker bin ich auf De Giro in den Niederlanden gestoßen. Ein Depot dort hätte den Vorteil, daß die KAPST nicht sofort abgezogen wird sondern erst in der Einkommensteuererklärung angegeben werden muß.

Das würde bedeuten, daß mir das Kapital ca. 1 Jahr länger zur Verfügung steht.

Allerdings sind die Bewertungen zu DeGiro durchaus gespalten. Vor allem Service und Geschwindigkeit scheinen nicht so die großen Stärken von denen zu sein
Wissen Sie da mehr darüber?

Vielen Dank und Viele Grüße

Christoph aus Sommerhausen

 Antwort:

Im Jahr 2020 hat die auf den deutschsprachigen Raum fokussierte Flatex den europäischen Wettbewerber aus den Niederlanden DeGiro übernommen. Die IT-Systeme wurden zusammengeführt, wobei seitens Flatex ein umfangreicheres Angebot an Börsentiteln bestand, DeGiro jedoch stärker die nationalen Besonderheiten der europäischen Länder abdeckte. Beide Angebote sind bis dato meinen Informationen zufolge noch lange nicht identisch, doch sie nähern sich immer weiter an.

Grundsätzlich läuft FlatexDeGiro ziemlich rund, wenn man sich an automatisierte Prozesse hält. Das Automatisieren ist deren Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Brokern. Wenn jedoch etwas aus der Kurve fliegt, dürfen Sie keinen persönlichen Ansprechpartner wie bei der Kreissparkasse in Ihrem Ort erwarten.

Die Quellensteuer, oder auch Kapitalertragssteuer KAPST wird in den Niederlanden genau wie in Japan und übrigens auch in Luxemburg und Tschechien behandelt: 15% werden einbehalten, der Rest wird ausbezahlt. Damit sind also 15% der Dividende weg, Sie können das dann erst bei Ihrer Steuererklärung in Deutschland geltend machend anrechnen lassen.


 Frage vom 01.03.2024

#Nvidia im Wettbewerb

Hallo Herr Heibel,

ich verstehe ja, warum NVIDIA gerade der heisseste Scheiß ist, der am Markt hochgejubelt wird. Ich bin aber lange genug am Markt, das mich die Situation eher an Cisco in 1999 erinnert. Auch dort schien nichts mehr ohne die Netzwerktechnik zu gehen, und Cisco war der ungekrönte König.

Ja auch dort war in der Übertreibung noch ganz schön Luft nach oben, aber die Ernüchterung war dramatisch. Was mir bei NVIDIA aber gar nicht gefällt ist die Abhängigkeit von TSMC, gleichzeitig sind es eine Handvoll Großkunden, die über 50% des Umsatzes machen.

Zu den Moats bei Software würde ich Sie gerne auf folgende Analyse hinweisen https://www.semianalysis.com/p/nvidiaopenaitritonpytorch und auf die exzellente CAPEX Analyse von Charles Fitzgerald https://platformonomics.com/2024/02/follow-the-capex-triangulating-nvidia/

Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich kann mir gut vorstellen das NVIDIA die nächsten 12-18 Monate noch sehr gut läuft, würde aber ihre Ansicht widersprechen, das man jetzt einfach auf NVIDIA setzt und 5 Jahre träumen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Klaus aus Breisach

 Antwort:

Vielen Dank für Ihren Hinweis.

Ich erinnere mich sehr gut an Cisco: Das Unternehmen hat die komplexe Netzwerktechnik fehlerfrei und performant angeboten, was viele Wettbewerber nicht schafften. Ja, es war eine Frage der Zeit, bis der Wettbewerb die Margen schmälerte.

Nvidia hat jedoch etwas vollständig Neues entwickelt: das parallele Abarbeiten komplexer Aufgaben. Dazu sind diverse Komponenten erforderlich, wie der Graphikchip, ein neues Netzwerkprotokoll, effiziente KI-Modelle usw. AMD hinkt mit seinen KI-Graphikchips nicht weit hinterher, doch betrachtet man das gesamte KI-System von Nvidia, fehlen AMD noch einige Komponenten.

Aufgesetzt auf den KI-Modellen ist die Programmiersprache CUDA, mit der diese Modelle optimiert und angewendet werden. Da gibt es, wie in dem Artikel von Ihnen zu lesen, wirklich eine Konkurrenz, die verhindern dürfte, dass Nvidia ein KI-Monopol bildet. Dennoch bleibt auf absehbare Zeit die KI-Infrastruktur von Nvidia das Non-plus-Ultra.

Ich verstehe nicht, was Sie mir mit dem zweiten Artikel sagen wollen: Die Investitionen von Nvidia sind sprunghaft angestiegen, das ist richtig. Es wird eine Infrastruktur weltweit aufgebaut, auf der in den kommenden Jahren KI-Anwendungen laufen werden. Das ist teuer und das wird eine Weile dauern, bis ausreichend KI-Rechenzentren zur Verfügung stehen, bis dann wieder ein normaler Erneuerungszyklus anlaufen kann. Doch gerade dieser Umstand zeigt doch, wie viel Bedarf an Investitionen nicht nur bei Nvidia, sondern auch bei Cloud-Anbietern, bei Unternehmen und sogar bei Staaten besteht.

Also: Ich habe nicht von 10 Jahren oder mehr gesprochen, sondern von fünf Jahren. Zu diesem Zeithorizont stehe ich :-), auch wenn zwischenzeitlich der Wettbewerb anziehen wird.

RÜCKANTWORT:

Hallo Herr Heibel,

danke für ihre Reaktion. Ich sehe aber nicht das CUDA die Garantie dafür ist, das NVIDIA der Gewinner der KI-Revolution bleibt. Dazu ist schon zu viel Zukunftsvision in die aktuellen Kurse eingepreist.

Der zweite Artikel zu Capex war eher ne Warnung, da NVIDIA selbst viel zu wenig CAPEX macht um ne 2.000 Milliarden Marktkapitalisierung zu rechtfertigen. Dazu ist CUDA zu alt und auch zu inflexibel, und bringt gerade in der letzten Zeit viel zuwenig Innovation.

Wie gesagt ich glaube nicht, das wir schon das Ende der Fahnenstange erreicht haben, aber 5 Jahre unters Kopfkissen legen und vergessen ist ein m.E. zu langfristiges Szenario.

Ich setz mir jetz mal einen Marker für Anfang 2029 und dann schauen wir mal, wer von uns beiden Recht hatte.

Mit freundlichen Grüßen

Klaus