| Antwort: Es geht rund bei der Deutschen Pfandbriefbank. Seit das Home-Office bei vielen Mitarbeitern eingerichtet ist, lässt die Präsenz in den Büroräumen zu wünschen übrig. Einige Unternehmen fordern Ihre Mitarbeiter inzwischen auf, wieder ins Büro zurückzukehren - allen voran die Banken.
Büroimmobilien werden in der Regel mit kleineren Banken finanziert. Es handelt sich um ein überschaubares Risiko mit einem überschaubaren Kreditvolumen. Daher braucht man dafür keine internationale Großbank, sondern kommt mit lokalen Banken ins Geschäft. Damit sind gerade die kleineren Banken vom Leerstand bei Büroimmobilien gefährdet. Anfang Februar veröffentlichte die New York Community Bancorp überraschend einen Verlust und strich die Dividende, nachdem die Risikovorsorge für Gewerbeimmobilien deutlich erhöht wurde.
In der Folge wurden alle Banken, die im Bereich der Gewerbeimmobilien unterwegs sind, abgestraft. Dabei kam auch die Deutsche Pfandbriefbank ins Visier von Leerverkäufern. Sie hatte im vergangenen Jahr gleich mehrfach die Risikovorsorge erhöht, weil Gewerbeimmobilien in den USA an Wert verloren. In den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres legte die Dt. Pfandbriefbank aus diesem Grund insgesamt 110 Mio. EUR zurück, im Q4 kamen dann auf einen Schlag nochmals 100 Mio. EUR hinzu. Der Jahresgewinn der Dt. Pfandbriefbank lag letztlich mit 90 Mio. EUR deutlich unter den vor einem Jahr prognostizierten 170-200 Mio. EUR.
Die BaFin hat ein Auge auf deutsche Banken, die am US-Immobilienmarkt engagiert sind. Die US-Finanzministerin Janet Yellen sagte, sie mache sich Sorgen um den US-Markt der Gewerbeimmobilien.
In den vergangenen 12 Monaten ist die Aktie der Dt. Pfandbriefbank bereits um 60% eingebrochen. Der Ausverkauf hat sich Mitte Januar verstärkt, das Handelsvolumen ist kräftig angesprungen und der Kurssturz beschleunigte sich. Leerverkäufer haben sich auf die Dt. Pfandbriefbank eingeschossen.
Es wäre nun ein Leichtes zu sagen, zu Unrecht, weil die Dt. Pfandbriefbank noch immer profitabel ist und reichlich Reserven hat, um auch einen stärkeren und/ oder anhaltenden Absturz des US-Gewerbeimmobilienmarktes zu überstehen. Die Tier-1- Kapitalquote steht bei 16,8%, gefordert sind seitens der Bafin nur 9,75%. In dieser Forderung sind die Probleme des US-Immobilienmarktes bereits berücksichtigt, denn andere Banken benötigen nur eine Tier 1 Kapitalquote von 6%. Mit derzeit 16,8% ist die Dt. Pfandbriefbank also gegen weitere Verluste am US-Immobilienmarkt gut abgesichert.
Berücksichtigt man noch, dass US-Immobilien nur einen kleinen Teil im Portfolio der Dt. Pfandbriefbank ausmachen, dürfte das Problem überschaubar bleiben.
Doch auch der deutsche Immobilienmarkt ist unter Druck und so werden die US-Probleme von Leerverkäufern auf Deutschland übertragen. Die Marktkapitalisierung ist von 1,4 Mrd. EUR auf inzwischen nur noch 518 Mio. EUR gefallen. Vermögenswerten von 48 Mrd. EUR stehen Schulden von 38 Mrd. EUR gegenüber. Mit dem Jahresumsatz von 550 Mio. EUR können Bewertungsverluste nur bedingt ausgeglichen werden. Entsprechend ist allein der Umstand, dass die Dt. Pfandbriefbank ins Visier der Leerverkäufer geraten ist, bereits besorgniserregend. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine ansonsten gesunde Bank aufgrund ihres einbrechenden Aktienkurses plötzlich Liquiditätsprobleme bekommt.
Anfang 2008, mitten in der Finanzkrise, hatte ich mir Thornburg Mortgage als Spekulation ausgesucht: Das Unternehmen finanzierte nur Wochenendhäuser von Schwerreichen, an Zahlungsausfälle war in deren Historie nicht zu denken. Die Aktie war völlig zu Unrecht niedergeprügelt worden, wie auch die späteren Untersuchungen zeigten. Dennoch war Thornburg Mortgage plötzlich auf dem Interbankenhandel ein schwarzes Schaf und wurde gemieden, Liquiditätsprobleme führten dazu, dass die Bank die Insolvenz anmelden musste. Das war der größte Missgriff in den 25 Jahren meiner Tätigkeit als Börsenschreibel.
Wenn Sie also darauf spekulieren möchten, dass der Kursverlust übertrieben ist, dann gebe ich Ihnen zwar Recht, werde mich aber nicht beteiligen. Denn, um zu beurteilen, ob die Dt. Pfandbriefbank ausreichend kapitalisiert ist, müssen Sie die Leerverkäufer kennen. Und dazu müssten Sie permanent auf den Cocktailpartys auf Long Island unterwegs sein. Ich bin das nicht.
Die von Ihnen genannte Anleihe läuft noch bis zum August 2026 und trägt einen Zins von 4,375%. Seit Mitte Januar ist der Kurs der Anleihe von 99% auf 90% ausverkauft worden, so dass sich derzeit eine Rendite von 9,19% p.a. ergibt, sofern Sie die Anleihe bis zur Fälligkeit halten und sofern sie zu 100% zurückgezahlt werden kann. Klingt attraktiv, aber auch das ist eine Spekulation.
Ich habe mir die Dt. Pfandbriefbank sowie die Anleihe mal in meine Beobachtungsliste genommen. Vielleicht werfen die Leerverkäufer irgendwann das Handtuch. Dann wird der Kurs zwar bereits deutlich höher stehen und die Rendite deutlich geringer sein, aber auch das Risiko wird dann vielleicht überschaubarer sein.
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