Leserfragen (Februar 2024)


 Frage vom 28.02.2024

#Insiderkauf bei BB Biotech durch Novo Nordisk Manager

Hallo Herr Heibel,

jetzt wollte ich meine BB Biotech Aktien verkaufen um sie in Novo Nordisk umzuschichten oder eventuell auch bei Nvidia noch aufzustocken.
Dabei habe ich gesehen dass das Vorstandsmitglied Prof. Dr. Mads Krogsgaard Thomsen (gleichzeitig CEO bei Novo Nordisk) für 874766.15 CHF
Aktien von BB Biotech gekauft hat. Hier der Link dazu:

https://www.onvista.de/news/2024/02-21-eqs-dd-bb-biotech-ag-prof-dr-mads-krogsgaard-thomsen-kauf-0-37-26241208

Da frage ich mich jetzt ob ich die Aktien nicht lieber noch behalten soll. Mich würde Ihre Meinung dazu interessieren.

Vielen Dank und viele Grüße aus Denzlingen
Henry aus Denzlingen

 Antwort:

Hui, fast 1 Mio. CHF, das ist schon nennenswert. Insider verkaufen Aktien aus vielen Gründen: Hauskauf, Diversifikation, Scheidung, … aber sie kaufen nur aus einem Grund: Wenn sie von dem Unternehmen überzeugt sind. Prof. Mads Krogsgaard Thomsen ist CEO von der Novo Nordisk Foundation, nicht vom operativen Geschäft. Ich hatte die komplizierte Eigentümerstruktur in meiner ausführlichen Analyse aufgezeigt. Die Foundation/ Stiftung setzt das Management, also auch den CEO, ein.

Ich gehe davon aus, dass die Abnehmspritze unseren Gesundheitssektor durcheinander wirbeln wird. Wenn Krogsgaard Thomsen nun als Verwaltungsrat von BB Biotech in dieses Unternehmen investiert, dann finde ich das sehr bemerkenswert. Ein Grund zum Verkaufen ist das sicherlich nicht, eher im Gegenteil :-).


 Frage vom 28.02.2024

#Novo Nordisk: Krebsrisiko bei Abnehmspritze

Sehr geehrter Herr Heibel!

Mit hohen Interesse habe ich Ihre Expertiese, dieser Woche gelesen. Zu Novo Nordisk hätte ich zwei Fragen!
1. Wann werden Sie Novo Nordisk kaufen?
2. Wie schätzen Sie das Krebsrisiko, an dem Wirkstoff, den es anscheinend gibt, als Investor, in der Zukunft ein?

Freundliche Grüße
Fritz aus Ferlach, Österreich

 Antwort:

Mit dem Kauf bei High-Flyern warte ich typischerweise auf einen Rücksetzer von 7-10%.

Es gibt ernstzunehmende Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko, aber verlässliche Zahlen dazu gibt es noch nicht. In der Geschichte der Menschheit war es häufig so, dass neue Errungenschaften nicht von Anfang an perfekt waren. So würde ich das in diesem Fall sehen: So dramatisch ein erhöhtes Krebsrisiko auch sein mag, es wird den Erfolg der Abnehmspritze nicht aufhalten. Es befinden sich schon verbesserte Rezepturen in der Testphase und vielleicht gelingt es damit, das Krebsrisiko, so es sich als signifikant herausstellt, zu verkleinern? Vielleicht gelingt dies aber auch erst mit einer Abnehmpille, die ebenfalls bereits getestet wird … oder vielleicht erst mit einer Version der übernächsten Generation, ich weiß es nicht.

Aber ich halte ein eventuell erhöhtes Krebsrisiko nicht für ein K.O.-Kriterium, sondern für eine lösbare Herausforderung.


 Frage vom 25.02.2024

#Effizienzsteigerung durch KI beim Schürfen des Bitcoins

Hallo Herr Heibel,

Ich habe mit großem Interesse Ihre Ausführung zu Nvidias genialen Erfindung gelesen. KLASSE GESCHRIEBEN.

Wie sehen Sie den Einsatz dieser Technologie in der Kryptowelt. Kann dadurch evtl den Bitcoin schneller geschürft werden als bisher angenommen?

Danke, Gruß
Kirtzali

 Antwort:

Mag sein, dass die KI das Schürfen effizienter macht. Doch die „Difficulty“, also die Schwere der zu lösenden Aufgabe, um neue Bitcoins zu schürfen, wird regelmäßig angepasst, damit die Schlagzahl von 1 Minuten beibehalten bleibt. Eine Beschleunigung kann also nicht erfolgen, weil das Netzwerk der Bitcoiner auf Effizienzsteigerungen reagiert.


 Frage vom 16.02.2024

#Rüstungsaktien

Hallo Herr Heibel,

es ist kein schönes Thema, aber ein wichtiges.

Mit dem zu befürchtenden Nachlassen des amerikanischen Schutzes bzgl. Ukraine und NATO und dem gleichzeitigen Aufstreben der imperialistischen Tendenzen von Russland und China, werden "wir" notgedrungen deutlich mehr in Rüstung investieren müssen als es uns lieb ist. Ich denke, diese Erkenntnis ist in Westeuropa noch nicht richtig angekommen, den Osteuropäern ist die Gefahr bewusster.

Ich würde hier gerne stärker investieren, an Rheinmetall und Airbus habe ich mich vor ca. 2 Jahren bereits beteiligt und fahre gut damit. Können Sie weitere Unternehmen empfehlen? Ich würde Richtung Osteuropa und z.B. auch Südkorea schauen, eher nicht in die USA. Außerdem auch nicht notwendigerweise auf Großgerät, sondern auch Richtung Drohnen, Panzerabwehr, IT, Munition.

Viele Grüße
Oliver aus Dormagen

 Antwort:

Hmm, in den USA fallen mir sofort Raytheon, Lockheed Martin, Honeywell sowie Boeing ein. In Europa gibt es noch BEA Systems (UK), Thales (F), Dassault Aviation (F) und Leonardo (I). In Osteuropa oder Südkorea kenne ich mich leider nicht so gut aus.

Ich habe mich jahrelang dagegen gewehrt, Rüstungsaktien aus moralischen Gründen von einem Investment auszuschließen. Die Verteidigung ist ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft und natürlich darf man damit Geld verdienen. Man kann den Gewinn ja anschließend spenden, wenn man moralische Bedenken hat.

Ich habe mich dennoch gegen die Aufnahme von Rheinmetall in unser Portfolio entschieden, da ich darauf achte, dass mein tägliches Umfeld angenehm ist. Ich möchte nicht ausrechnen, wie die Produktion von mehr Munition den Gewinn eines Unternehmens verbessert, wenn Munition nur aus einem Grund produziert wird, nämlich um eingesetzt zu werden.

Ich schreibe im Heibel-Ticker viel lieber über autonomes Fahren, über die Fettspritze oder über fliegende Elektrotaxis :-).


 Frage vom 16.02.2024

#Bitcoin-Spread, Nvidia vs. Adobe

Lieber Herr Heibel,

Ich habe mich tatsächlich für den Krypto-Handel bei finanzen.net registiert, aber feststellen müssen, dass mit einem Spread von 1000 € gehandelt wird. Bei dem damaligen Bitcoinpreis von ca. 40.000 € erscheint mir ein Spread von 2,5 % sehr hoch. Sie haben sicher einen besseren Überblick über die Möglichkeiten Bitcoin zu kaufen. Ist ein Spread in der Größenordnung "normal"?

Ich habe noch ein weiteres Derivat entdeckt, das mit nur 0,95 % jährlichen Kosten lockt. Die WKN ist A3GK2N von Iconic Funds Physical Bitcoin ETP. Handelt es sich dabei um ein unseriöses Produkt, oder eine echte Alternative für Menschen, die den Schritt in ein Hardware Wallet scheuen?

Letzte Frage. Als Sie mal Adobe zum Kauf empfahlen habe ich das Wertpapier gekauft, was allerdings zur Folge hatte, dass ich bei NVIDIA nicht dabei war. Da NVIDIA deutlich besser läuft würde ich gerne Adobe verkaufen und NVIDIA kaufen. Ich würde daher Adobe jetzt verkaufen und einen Rücksetzer bei NVIDIA abwarten. Wäre das auch Ihre Vorgehensweise?

Viele Grüße aus Saarbrücken
Thomas

 Antwort:

Doch, ein Spread von 2,5% ist im Bitcoin-Umfeld keine Seltenheit. Die starken Kursschwankungen sorgen dafür, dass dem Spread von den meisten Kunden nicht so viel Bedeutung beigemessen wird. Wir haben bei Relai (ich stelle die Plattform am 19.1.24 im Heibel-Ticker vor) eine Gebühr, die vom Bitcoin-Kurs abgezogen wird. Je nach Transaktion liegt die Gebühr zwischen 1% und 2,5%.

Der von Ihnen genannte ETP (WKN A3GK2N) sieht gut aus: Echte Bitcoins sind hinterlegt und deren Auslieferung kann jederzeit eingefordert werden.

Adobe gegen Nvidia tauschen? Ich würde die Hälfte von Adobe sofort verkaufen und sofort Nvidia dafür kaufen. Mit dem verbliebenen Rest würde ich auf eine Gegenreaktion zum aktuellen Kurseinbruch bei Adobe warten, um dann Nvidia dafür zu kaufen. Ich würde also eher auf die Kursentwicklung von Adobe schauen und dann, wenn es Ihnen gefällt, verkaufen und sofort den Verkaufserlös in Nvidia stecken.


 Frage vom 16.02.2024

#Dt. Pfandbriefbank: Ausverkauf durch Leerverkäufer

Moin Herr Heibel,
meine Frage an Sie ist (wie ich denke) eine aktuelle:
Wie ist die Dt. Pfandbriefbank zu beurteilen?

Der Kursverlust ist dramatisch.
Wie zu lesen ist, resultiert er aus der Tatsache von Krediten in amerikanische Gewerbeimmobilien (15 % des Kreditvolumens).
Nach Bekanntwerden von hohen Leerständen derselben in den USA, geht man von höherem Abschreibungsbedarf aus (3,9% statt vorher 2,2%).
Nun wird die Aktie natürlich geshortet.

Was mich da aber richtig beunruhigt ist der Kursverfall bei der Anleihe WKN A30WFV.
Minus 10 - 11 % bis heute.

Habe ich da den Sachverhalt annähernd erfasst, oder steht dort noch schlimmeres an.
Gern höre ich Ihre Meinung.

Mit freundlichen Grüßen
Peter aus Münster

 Antwort:

Es geht rund bei der Deutschen Pfandbriefbank. Seit das Home-Office bei vielen Mitarbeitern eingerichtet ist, lässt die Präsenz in den Büroräumen zu wünschen übrig. Einige Unternehmen fordern Ihre Mitarbeiter inzwischen auf, wieder ins Büro zurückzukehren - allen voran die Banken.

Büroimmobilien werden in der Regel mit kleineren Banken finanziert. Es handelt sich um ein überschaubares Risiko mit einem überschaubaren Kreditvolumen. Daher braucht man dafür keine internationale Großbank, sondern kommt mit lokalen Banken ins Geschäft. Damit sind gerade die kleineren Banken vom Leerstand bei Büroimmobilien gefährdet. Anfang Februar veröffentlichte die New York Community Bancorp überraschend einen Verlust und strich die Dividende, nachdem die Risikovorsorge für Gewerbeimmobilien deutlich erhöht wurde.

In der Folge wurden alle Banken, die im Bereich der Gewerbeimmobilien unterwegs sind, abgestraft. Dabei kam auch die Deutsche Pfandbriefbank ins Visier von Leerverkäufern. Sie hatte im vergangenen Jahr gleich mehrfach die Risikovorsorge erhöht, weil Gewerbeimmobilien in den USA an Wert verloren. In den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres legte die Dt. Pfandbriefbank aus diesem Grund insgesamt 110 Mio. EUR zurück, im Q4 kamen dann auf einen Schlag nochmals 100 Mio. EUR hinzu. Der Jahresgewinn der Dt. Pfandbriefbank lag letztlich mit 90 Mio. EUR deutlich unter den vor einem Jahr prognostizierten 170-200 Mio. EUR.

Die BaFin hat ein Auge auf deutsche Banken, die am US-Immobilienmarkt engagiert sind. Die US-Finanzministerin Janet Yellen sagte, sie mache sich Sorgen um den US-Markt der Gewerbeimmobilien.

In den vergangenen 12 Monaten ist die Aktie der Dt. Pfandbriefbank bereits um 60% eingebrochen. Der Ausverkauf hat sich Mitte Januar verstärkt, das Handelsvolumen ist kräftig angesprungen und der Kurssturz beschleunigte sich. Leerverkäufer haben sich auf die Dt. Pfandbriefbank eingeschossen.

Es wäre nun ein Leichtes zu sagen, zu Unrecht, weil die Dt. Pfandbriefbank noch immer profitabel ist und reichlich Reserven hat, um auch einen stärkeren und/ oder anhaltenden Absturz des US-Gewerbeimmobilienmarktes zu überstehen. Die Tier-1- Kapitalquote steht bei 16,8%, gefordert sind seitens der Bafin nur 9,75%. In dieser Forderung sind die Probleme des US-Immobilienmarktes bereits berücksichtigt, denn andere Banken benötigen nur eine Tier 1 Kapitalquote von 6%. Mit derzeit 16,8% ist die Dt. Pfandbriefbank also gegen weitere Verluste am US-Immobilienmarkt gut abgesichert.

Berücksichtigt man noch, dass US-Immobilien nur einen kleinen Teil im Portfolio der Dt. Pfandbriefbank ausmachen, dürfte das Problem überschaubar bleiben.

Doch auch der deutsche Immobilienmarkt ist unter Druck und so werden die US-Probleme von Leerverkäufern auf Deutschland übertragen. Die Marktkapitalisierung ist von 1,4 Mrd. EUR auf inzwischen nur noch 518 Mio. EUR gefallen. Vermögenswerten von 48 Mrd. EUR stehen Schulden von 38 Mrd. EUR gegenüber. Mit dem Jahresumsatz von 550 Mio. EUR können Bewertungsverluste nur bedingt ausgeglichen werden. Entsprechend ist allein der Umstand, dass die Dt. Pfandbriefbank ins Visier der Leerverkäufer geraten ist, bereits besorgniserregend. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine ansonsten gesunde Bank aufgrund ihres einbrechenden Aktienkurses plötzlich Liquiditätsprobleme bekommt.

Anfang 2008, mitten in der Finanzkrise, hatte ich mir Thornburg Mortgage als Spekulation ausgesucht: Das Unternehmen finanzierte nur Wochenendhäuser von Schwerreichen, an Zahlungsausfälle war in deren Historie nicht zu denken. Die Aktie war völlig zu Unrecht niedergeprügelt worden, wie auch die späteren Untersuchungen zeigten. Dennoch war Thornburg Mortgage plötzlich auf dem Interbankenhandel ein schwarzes Schaf und wurde gemieden, Liquiditätsprobleme führten dazu, dass die Bank die Insolvenz anmelden musste. Das war der größte Missgriff in den 25 Jahren meiner Tätigkeit als Börsenschreibel.

Wenn Sie also darauf spekulieren möchten, dass der Kursverlust übertrieben ist, dann gebe ich Ihnen zwar Recht, werde mich aber nicht beteiligen. Denn, um zu beurteilen, ob die Dt. Pfandbriefbank ausreichend kapitalisiert ist, müssen Sie die Leerverkäufer kennen. Und dazu müssten Sie permanent auf den Cocktailpartys auf Long Island unterwegs sein. Ich bin das nicht.

Die von Ihnen genannte Anleihe läuft noch bis zum August 2026 und trägt einen Zins von 4,375%. Seit Mitte Januar ist der Kurs der Anleihe von 99% auf 90% ausverkauft worden, so dass sich derzeit eine Rendite von 9,19% p.a. ergibt, sofern Sie die Anleihe bis zur Fälligkeit halten und sofern sie zu 100% zurückgezahlt werden kann. Klingt attraktiv, aber auch das ist eine Spekulation.

Ich habe mir die Dt. Pfandbriefbank sowie die Anleihe mal in meine Beobachtungsliste genommen. Vielleicht werfen die Leerverkäufer irgendwann das Handtuch. Dann wird der Kurs zwar bereits deutlich höher stehen und die Rendite deutlich geringer sein, aber auch das Risiko wird dann vielleicht überschaubarer sein.


 Frage vom 01.02.2024

#Exxon als Trump-Spekulation

Sehr geehrter Herr Heibel,
was halten Sie in Anbetracht einer wahrscheinlicher werdenden Wiederwahl von Trump von einer Spekulation auf amerikanische Ölwerte wie z.B. ExxonMobil?
Entweder Trump gewinnt und macht Regulierungen rückgängig, wovon die Ölindustrie erheblich profitieren würde. Oder er gewinnt nicht, dann ist es auch kein Beinbruch für die Branche...
Viele Grüße, Rainer aus Berlin

 Antwort:

Gute Idee, wir haben bereits einen Öltitel als Spekulation im Heibel-Ticker Portfolio :-).


 Frage vom 01.02.2024

#Zum jährlichen Zurücksetzen des Heibel-Ticker Portfolios

Sehr geehrter Herr Heibel,
Mir gefallen ihre Markt- und Sentimentanlysen.
Was ich nicht verstehe ist, was das Ausblenden von Buchverlusten und das Zurücksetzen der Kaufkurse auf Eröffnungsstand zu Jahresbeginn soll.
Damit schönen Sie ihre Performance, was der Ihnen folgende Leser, sofern er die Werte in seinem realen Portfolio hält, so nicht kann.
Führen Sie das Portfolio eigentlich real oder fiktiv?
Auch kann ich die Aussage in Ihrer letzten Ausgabe bezüglich ETF's so nicht teilen. Spezial oder Branchenfonds bergen gewisse Risiken ähnlich von Einzelwerten, hier verweise ich auf Ihr Portfolio. Mit ETF's liege die letzten 2 Jahre bei 7% p.a. was ich ganz OK finde. Ohne China wäre es noch besser aber die Region habe ich noch nicht abgeschrieben und warte ab.

Bernd aus Mainz

 Antwort:

In den 16 Jahren, die ich das Heibel-Ticker Portfolio führe, habe ich nur zweimal Verlust erwirtschaftet: 2018 und 2022. Vierzehn mal habe ich also Buchgewinne zum Jahreswechsel zurückgesetzt. Da gab es niemanden, der besorgt darüber war, dass meine gute Performance bei unseren Mitgliedern in Vergessenheit geraten könnte.

Da ich aber Transparenz groß schreibe, habe ich den Verlust aus dem Jahr 2022 bis heute in unserer Tabelle mitgeschliffen, wie ein Mühlstein um meinen Hals. Aktuell liegen wir noch 12% hinten, aber ich bin zuversichtlich, bald schon wieder neue Rekordhochs für unser Heibel-Ticker Portfolio ausweisen zu können. Dann wird auch dieser Mühlstein verschwinden.

Nun sprechen Sie mich auf einzelne Positionen an. Aus mehreren Gründen halte ich das Mitziehen von veralteten Kaufkursen für falsch. Zum einen ist eine Kaufentscheidung niemals die Entscheidung nur für die eine Aktie, sondern stets auch eine Entscheidung, die die Gesamtdiversifikation unseres Portfolio berücksichtigt. Da kann es schonmal sein, dass eine Position sich negativ entwickelt. Wenn ich meine Hausaufgaben richtig gemacht habe, laufen dafür dann aber andere Positionen gut.

Zum anderen möchte ich damit das „Anchoring“ verhindern: Wenn man einen Kaufkurs vor Augen hat und die Aktie im Minus notiert, dann sorgt die Verlustaversion bei den meisten Anlegern dafür, dass man „zumindest“ seinen Kaufkurs wieder raushaben möchte. Doch der hat mit einer fairen Bewertung der Aktie überhaupt nichts zu tun. Am besten, man vergisst ihn und bewertet den aktuellen Aktienkurs ohne diesen Anker.

Doch auch hier gibt es vollständige Transparenz, denn jedes Jahr veröffentliche ich alle Transaktionen unseres Portfolios, so dass jeder Anleger bei Interesse den ursprünglichen Kaufkurs leicht recherchieren kann. Hier die entsprechende Seite: https://www.heibel-ticker.de/portfolio_performance

Zu Ihren weiteren Fragen: Ja, das Portfolio führe ich auch als Echtgelddepot.

Zu Ihrer Anmerkung zu ETFs: Ich würde ETFs nicht mit dem Heibel-Ticker Portfolio vergleichen. ETFs basieren auf Algorithmen, mit denen ein Index oder Ähnliches nachgebildet wird. Es findet dort keine individuelle Entscheidung statt, daher die günstigen Gebühren.

Sie führen als Begründung für ETFs sodann Spezial- oder Branchenfonds an. Das ist etwas grundsätzlich anderes: Fonds werden von einem Fondsmanager geführt. Dieser Fondsmanager trifft individuelle Entscheidungen. Da Sie den Fondsmanager bezahlen müssen, sind die Gebühren bei Fonds höher als bei ETFs. Zudem unterliegen Fondsmanager in ihren Entscheidungen Beschränkungen, denen Sie als Privatanleger nicht unterliegen. Viele Dinge, die ich im Heibel-Ticker vorstelle, dürfen von Fondsmanagern gar nicht umgesetzt werden, da sie auf bestimmte Anlageklassen beschränkt sind oder regulatorische und unternehmensseitige Richtlinien berücksichtigen müssen.


 Frage vom 01.02.2024

#Aurubis nach Skandal, Deutsche Rohstoff vor Investitionen

Hallo Herr Heibel,
Ich habe schon über ein anderes Kontaktformular meine Frage nach geeigneten Rohstoffaktien angesichts des kommenden Rohstoffbooms gestellt.
Welche Aktien aus dem Bereich Kohle und Uran finden Sie besonders attraktiv? Die Ölaktie Coterra Energy ist ja schon im Depot und deckt den Ölbereicht ab.
Wäre z.B. auch eine Aurubis für das Kupfergeschäft bzw. -Recycling empfehlenswert?
Was ist mit „Deutsche Rohstoff“ oder doch lieber ein ETF?
Zum Kundenkontakt:
Zusätzlich frage ich mich, warum es keine ONline- Konferenzen mehr gibt, die waren immer sehr aufschlussreich, oder habe ich etwas verpasst?

Mit vielen freundlichen Grüßen aus dem Schwarzwald
Andreas aus Dornhan

 Antwort:

Ja, dieses Kontaktformular ist richtig. Mit Einführung unserer neuen Webseite haben wir das Stellen inhaltlicher Fragen nur noch für zahlende Mitglieder ermöglicht. Administrative Fragen kann natürlich jeder stellen.

Zu Aurubis: Das Unternehmen taumelt, kürzlich wurden die Verträge von drei der vier Vorstände im beiderseitigem Einvernehmen aufgekündigt. Dem Unternehmen sind im Jahr 2023 Rohstoffe im Wert von einem dreistelligen Millionenbetrag abhanden gekommen. Derzeit wird der Vermutung nachgegangen, dass es sich um Manipulationen der Bewertung von Zuliefermaterialien handelte. In jedem Fall handelte es sich um ein organisiertes Verbrechen mit vielen Beteiligten.

Die drei Vorstände werden gestaffelt ihre Ämter niederlegen: Ende Februar, Ende Juni und Ende September. Die Verträge liefen teilweise noch fünf Jahre. Eine vorzeitiges Auflösung bringt normalerweise eine ordentliche Abfindung mit sich, doch man habe sich in beiderseitigem Einvernehmen geeinigt, hieß es. Daraus schließe ich, dass der Aufsichtsrat gute Gründe hatte, auf das Angebot einer Abfindung zu verzichten. Gleichzeitig werde Aurubis keine Ersatzansprüche gegenüber den Vorständen geltend machen. Für das Geschäftsjahr (endete Sept. 23) wurden 169 Mio. EUR für Metall-Fehlbestände abgeschrieben.

Die Aktie von Aurubis ist nicht erst seit Bekanntwerden der Vorfälle unter Druck. Von 120 Euro Ende 2021 betrug der Kursverlust zwischenzeitlich über 50%. Aktuell notiert die Aktie noch bei 66 Euro. Das EV/EBITDA steht bei 4,1, im Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre lag es bei 5,8. Der Gewinn je Aktie ist gegenüber dem Vorjahr um 88% eingebrochen.

Doch es handelt sich um eine Einmalbelastung: Für 2024 wird ein Gewinnsprung um 290% erwartet. Gleichzeitig investiert das Unternehmen stark in den Ausbau des US-Geschäfts. Im laufenden Jahr 2024 werden 5% des erwarteten Umsatzes investiert und auch 2025 soll ein ähnlich hoher Betrag investiert werden. Es handelt sich um eine langfristige Investition, die ich bereits im August letzten Jahres ausführlich beschrieb (siehe https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/2115 Kapitel 7).

Ja, ich halte Aurubis für günstig bewertet. Doch in einem Jahr, in dem drei der vier Vorstände ausgetauscht werden und mehr als der Jahresgewinn investiert wird, also neue Schulden aufgenommen werden, kann es nur eine Spekulation sein, in diese Aktie zu investieren. Für ein solides Investment gibt es zu viele Unsicherheitsfaktoren.

Zu Deutsche Rohstoff AG: Auch dieses Unternehmen habe ich bereits ausführlich beschrieben, siehe https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/2061 Kapitel 2. Es handelt sich um einen deutschen Explorer, der in den USA überschaubare Risiken eingeht, um Öl und Gas zu fördern. Ich durfte CEO Jan-Philipp Weitz vor einem Jahr kennenlernen und bekam den Eindruck, dass sein Unternehmen stark an seiner Persönlichkeit hängt. Er hat das Geschäft verstanden und findet lukrative Nischen, die für die großen Player unattraktiv sind.

Damit wächst das Unternehmen kontinuierlich und bietet sogar eine attraktive Dividendenrendite von 2%. Doch das Wachstum beruht auf früher getätigten Investitionen und sorgte in den vergangenen Jahren für sehr vorteilhafte Bewertungskennzahlen. Im Jahr 2023 wurden die Investitionen wieder nach oben gefahren, um das künftige Wachstum zu sichern. Ich denke, Weitz hat mit dieser Entscheidung wieder einen günstigen Investitionszeitpunkt erwischt.

Vor einem Jahr hatte ich die Aktie empfohlen, seither stieg der Kurs um 20% an. Ich finde die Aktie auch heute wieder günstig bewertet: 188 Mio. EUR Umsatz werden mit einem EV von nur 252 Mio. EUR bewertet. Da das Geschäftsmodell jedoch meiner Wahrnehmung nach an einer Person hängt, würde ich auch bei dieser Aktie höchstens einen kleinen Betrag für eine Spekulation locker machen.

ETFs bilden Branchen ab, enthalten somit gute und schlechte Unternehmen gleichermaßen. Zwar hebt die Flut alle Schiffe, doch ich strenge mich an, stets die besten Schiffe zu finden :-).

In einer zweiten E-Mail fragten Sie mich noch nach Kohle & Uran: Nein, diese beiden Rohstoffe sind noch stärker von politischen Entscheidungen abhängig als Öl oder Kupfer. Daher halte ich mich aus diesen Rohstoffen raus.

Die Online-Konferenzen werde ich bald wieder starten. Die berechtigte Kritik an den alten Videos war, dass die Inhalte sich mit der Ausgabe teilweise wiederholten. Ich habe vor, künftig zu einzelnen Themen im Video in die Tiefe zu gehen sowie Platz für Fragen unserer Mitglieder zu lassen.