Leserfragen (September 2024)


 Frage vom 24.09.2024

#Festgeld statt Anleihe

Hallo Herr Heibel,

Die meisten Unternehmen, die ich mir angesehen haben, besitzen ein Rating von BBB oder schlechter. Viele, deutsche Banken bieten immer noch einen Zins von 3% für Festgeld für 12 Monate. Warum sollte ich mich für eine Anleihe entscheiden? Klar, wenn die Inflation nicht zurückkommt, habe ich in 12 Monate eine Problem. Aber dafür ein Risiko. Für Steuerzahler wie mich besteht in der Besteuerung kein Unterschied.

So vielleicht haben Sie die Zeit (und die Lust) meine Frage kurz zu erörtern.

Vielen Dank und viele Grüße
Eckhard aus Schwalbach

 Antwort:

Eine vergleichbare Rendite bei Festgeld gibt es tatsächlich immer wieder mal bei einzelnen Banken. Die Angebote wechseln sich immer wieder ab und man muss ein Konto bei der entsprechenden Bank eröffnen. Ich halte das für mehr Aufwand, als einfach diese Anleihe ins Depot zu holen.


 Frage vom 24.09.2024

#Fair Isaac Corp - Fico mit Kursverdopplung in 12 Monaten

Sehr geehrter Herr Heibel,

die Fair Isaac Aktie besticht durch seinen fast stetig verlaufenden Aufwärtstrend. Das erwartete KGV liegt lt. Comdirect bei einem beängstigend hohen Wert von über 85. Es handelt sich offenbar um einen erfolgreichen Softwareentwickler für größere Firmen weltweit. Bei gut laufenden Geschäften könnte das den extrem hohen KGV rechtfertigen. Ich würde gern mehr Informationen haben, vielleicht lohnt sich ja ein Investment. Was denken denn Sie?

Sie sind ja Lob gewohnt, aber trotzdem vielen Dank und Lob für Ihre wöchentlichen Marktuntersuchungen und Kommentare.

Mit freundlichen Grüßen

Peter aus Bobingen

 Antwort:

Da haben Sie eine interessante Firma ausgegraben: Fair Isaac Corp. (FICO) ist in den USA so etwas wie die Schufa bei uns. Jeder US-Amerikaner hat einen FICO-Score, der von Fico auf Basis einer Vielzahl von Daten berechnet wird. Es geht die Zahlungs- und Kredithistorie in die Berechnung ein, sowie die Kreditauslastung, die Art der Kredite sowie die Anzahl kürzlich gestellter Kreditanfragen. Auch Nutzung der Kreditkarte wird berücksichtigt. Es ergibt sich eine Kreditwürdigkeit zwischen 300 und 850, je höher, desto besser.

Fico ist der Standardanbieter in den USA, der von jedem Kreditinstitut und Kreditkartenausgeber informiert wird und aggregierte Informationen zu Personen verkauft.

Mit sinkendem Zinsniveau rechnen Anleger nun mit einem Anziehen des Immobilienmarktes. Bei der Vergabe von Hypothekenkrediten ist die Fico-Abfrage Standard. Wenn der Immobiliensektor nun eine steigende Nachfrage erlebt, werden auch mehr Fico-Anfragen durchgeführt. Das Datensammeln ist aufwendig, die Ausgabe der Daten hingegen nicht. Eine anziehende Nachfrage führt also zu einem steigenden Umsatz und einem überproportional anspringendem Gewinn. Für das laufende Jahr wird ein Gewinnwachstum von 47% erwartet, für 2025 gehen Analysten von nochmals 25% aus.

Das EV/EBITDA für 2024 steht bei 54. Im kommenden Jahr würde es auf 45 sinken. Das ist, vor dem Hintergrund des 25%igen Gewinnanstiegs im kommenden Jahr, in Ordnung. Nicht günstig, aber in Ordnung. Unsere Faustregel besagt, dass ein EV/EBITDA bis zum Zweifachen des Gewinnwachstums betragen darf. 45/25 = 1,8.

In den vergangenen 12 Monaten verdoppelte sich der Aktienkurs. Wenn Sie heute einsteigen, könnte ein eventueller Rücksetzer schmerzhaft werden. Auf lange Sicht sieht mir das Unternehmen aber als sehr solide Langfristanlage aus.


 Frage vom 20.09.2024

#7,75%-Anleihe von Abo Energy

Hallo Herr Heibel,

Wie wäre es mit der Anleihe von Abo energy (ehemal Abo Wind). Ein solides mittelständisches dt. Unternehmen mit einer sehr attraktiv verzinsten (7,75%) Anleihe:
ISIN: DE000A3829F5/ WKN: A3829F

Anleihe 2024/2029 (aboenergy.com)

Mit freundlichen Grüßen
Stefan aus Bad Saarow

 Antwort:

Ich suche für unsere Mitglieder stets nach Anleihen, die meinem Anspruch von „sicher“ entsprechend und dennoch eine attraktive Rendite tragen. Abo Energy wird von Bloomberg als "High Yield“ eingestuft, also als Unternehmen, das nicht mehr für Privatanleger geeignet ist. Das Risiko eines Zahlungsausfalls ist aus Bloomberg Sicht zu groß.

Mit 7,75% Zins und beim aktuellen Kurs von 101,61 ergibt sich bei 5 Jahren Laufzeit eine Rendite von 7,35%. Das ist zwar sehr attraktiv, aber je höher der Zins, desto höher das Risiko. Dies zeigt sich zum einen an der schwachen Bloomberg-Einstufung, zum anderen aber auch darin, dass diese Anleihe nur „nachrangig“ besichert ist. Das heißt, im Falle einer Insolvenz werden erst andere Gläubiger bedient, bevor am Ende der Rest unter den Anleihegläubigern von nachrangigen Anleihen aufgeteilt wird. Das ist für mich ebenfalls ein Minuspunkt.

Vielen Dank für den Vorschlag, aber für uns kommt diese Anleihe nicht in Frage.


 Frage vom 20.09.2024

#ist BioNTech auf eine Goldader gestoßen?

Hallo Herr Heibel,

aus alten Corona-Zeiten halte ich noch einige Biontech Aktien. Letzte Woche bemerkte ich plötzlich einen rasanten Anstieg. Was ist passiert?

Ist nur ein Gerücht im Umlauf?
Hat die Firma einen bahnbrechenden Durchbruch erzielt?

Interessiert mich. Denn ich möchte wissen, ob das die Gelegenheit ist, meine verbliebenen Anteile zu verscherbeln oder sie zu halten in Erwartung von etwas Großem, was in diesen Tagen zugange ist.

Herzlichen Dank für Ihre Antwort und den tollen wöchentlichen Aktien-Ticker.

Mit freundlichen Grüßen
Edgar aus Erbendorf

 Antwort:

BioNTech forscht an Impfstoffen, mit denen die Krebsbildung frühzeitig unterbunden werden kann. Nun wurden erste Studienergebnisse veröffentlicht, die vielversprechend aussehen.

Dabei werden eine ganze Reihe von Krebsarten adressiert: Leberkrebs, Lungenkrebs und Brustkrebs. Eine erfolgreiche Entwicklung eines Impfstoffes würde die Pharmabranche auf den Kopf stellen, da Krebs heute mit verschiedenen Ansätzen bis hin zur Chemotherapie behandelt wird.

BioNTech ist nicht das einzige Unternehmen, das in diesem Bereich forscht: Summit Therapeutics veröffentlichte ebenfalls Studienergebnisse, die Hoffnung machen. Die beiden Unternehmen werden nicht als Wettbewerber gesehen, vielmehr werden gute Studienergebnisse des einen als Bestätigung der Strategie des anderen aufgenommen.

Wir kennen. BioNTech gut: Mit Corona-Impfstoffen häufte das Unternehmen Barreserven in Höhe von aktuell 17 Mrd. EUR an. Im laufenden Jahr werden Analystenerwartungen zufolge 2,7 Mrd. EUR umgesetzt, dabei rechnet man mit einem Verlust (EBITDA) von 1 Mrd. EUR. BioNTech plant, nicht vor 2028 den Break-Even zu erreichen. Das Besondere an diesem Unternehmen ist also, dass es eine revolutionäre Entwicklung vielleicht aus eigener Kraft stemmen kann.

Damit ist BioNTech aber weiterhin eine heiße Spekulation. Die Studienergebnisse der vergangenen Tage machen zwar Hoffnung, sind aber noch sehr unkonkret. Es fehlen noch klinische Studien, die schrittweise nach bestimmten Mustern durchgeführt werden müssen. Deren Ergebnisse können jederzeit Rückschläge zu Tage bringen. Die wenigsten Medikamente aus der vergleichbar frühen Forschungsphase schaffen es bis zur Marktzulassung.

Die Aktie von BioNTech sprang in den vergangenen Tagen zunächst von 80 EUR um 50% nach auf 118 EUR oben, um anschließend wieder 15% auf 100 EUR abzugeben. Ich denke, der Weg bis zur Marktzulassung wird steinig. Ich wünsche es dem Unternehmen, erfolgreich zu sein. Doch als Anleger sollten Sie lediglich eine überschaubare Spekulation auf diese Aktie setzen und dann geduldig bleiben, egal, wie die Aktie zwischenzeitlich schwankt. Wie gesagt: bis 2028 wird das Unternehmen Verluste schreiben. Bei Biotech-Unternehmen sind solche Aussagen in der Regel zu deuten als „mindestens“ bis 2028.

Wenn das nichts für Sie ist, lohnt sich der aktuelle Kurssprung zum Versilbern Ihrer Anteile, oder zumindest könnten Sie Ihre Position auf eine überschaubare Größe reduzieren.


 Frage vom 06.09.2024

#Marathon Petroleum Corp

Hallo Herr Heibel,

Mich würde im Hinblick auf das Thema Öl und entsprechender Wertschöpfung Ihre Einschätzung zur Aktie Marathon Petroleum (WKN: A1JEXK) interessieren.

Vielen Dank!

Beste Grüsse,
Fabian aus Traunstein

 Antwort:

Für das laufende Jahr wird ein Umsatzrückgang von 10% erwartet, der Gewinn soll sich Analystenschätzungen zufolge halbieren. Das liegt am rückläufigen Ölpreis, denn die raffinierte Menge an Öl ändert sich seit Jahren kaum.

Raffinerien werden seit Jahrzehnten nicht mehr gebaut, deren Auslastung kann also als gesichert gelten. Die Kosten entwickeln sich mit der Inflation. Die Einnahmen sind sodann stark vom aktuellen Ölpreis abhängig.

Marathon Petroleum schiebt 30 Mrd. USD Schulden vor sich her, ein Fünftel des Jahresumsatzes. Mit 2% ist die Dividendenrendite nicht sonderlich attraktiv. Aufgrund der stark schwankenden Umsätze und der niedrigen Dividende ist Marathon Petroleum weder eine Wachstums- noch eine Dividendenaktie. Also bliebe eine Spekulation auf einen steigenden Ölpreis.

Da der Ölpreis derzeit unter Druck ist und ich nicht abschätzen kann, wie lange sich diese Situation halten kann, würde ich eine entsprechende Spekulation mit einer Aktie bevorzugen, die zwischenzeitlich zumindest eine attraktive Dividende anbietet. Aus diesem Grund gefällt mir die Öl- und Gas-Aktie, die wir im Heibel-Ticker Portfolio haben, besser.