| Antwort: Ihr Kaufkurs von 100 EUR wurden bereits 2018 erreicht, mit Corona-Schwankungen lief die Aktie tatsächlich bis Ende 2022 seitwärts, denn auch da gab es Airbus nochmals zu 100 EUR. Die Zyklen in der Luftfahrtbranche sind sehr lang.
Airbus ist ein Vorzeigeunternehmen. Der Auftragsbestand reicht für fast 10 Jahre, die Sicherheit der Airbus-Flieger ist seit dem Boeing-Debakel unerreicht. Für Airbus geht es eigentlich nur darum, die Produktion der Flieger zu optimieren, also die Geschwindigkeit zu erhöhen, ohne die Kosten zu sehr zu steigern.
Wenn die Aktie einmal einbricht, wie zuletzt während der Corona-Pandemie, dauert es zwar eine Weile, bis sie zurück kommt. Doch mangels Wettbewerb besteht eigentlich kein Zweifel daran, DASS sie zurückkommen wird. Der Rückschlag der Corona-Pandemie wurde erst Anfang diesen Jahres restlos ausgebügelt, benötigte also 4 Jahre.
Jetzt brach die Aktie ein, weil es Lieferkettenprobleme gibt. Ich musste die Unternehmensmeldung zweimal lesen, um das zu glauben. Denn seit der Corona-Pandemie erzählt mir jeder, der etwas mit Airbus zu tun hat - und davon gibt es hier in Hamburg einige -, dass die Lieferkettenproblematik Airbus nicht treffen könne. Die Sicherheitsvorschriften für die Produktion von Fliegern seien so hoch, dass ohnehin keine Bauteile aus Asien verwendet werden könnten. Und innerhalb Europas sowie mit den USA gibt es ja keine nennenswerten Lieferprobleme, oder?
Nun, offensichtlich doch, wie wir diese Woche erfuhren.
Gleichzeitig erwägt Airbus, einen US-amerikanischen Zulieferer, Spirit Aero-Systems, zu kaufen. Der Zulieferer erwirtschaftet mit seinen Vorprodukten für die Airbusse A220 und A350 jährlich einen Verlust von 250-260 Mio. USD. Das möchte sich Airbus also ans Bein heften, um Lieferprobleme zu lösen?
Der Kurseinbruch um 25% seit März ist also durchaus nachvollziehbar. Obwohl es aufgrund der Probleme bei Boeing quasi keinen Wettbewerber mehr gibt, wurde die Gewinnerwartung der Analysten in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich reduziert. Etwas ist faul im Staate Dänemark, würde ich nach Studium der Zahlen vermuten.
Aktuell wird für 2024 ein Gewinnwachstum (EBITDA) von 12% erwartet, das EV/EBITDA liegt bei 11. Damit ist Airbus fair bewertet. Wird Airbus die Probleme in den Griff bekommen? Irgendwann ja. Doch die wichtige Frage ist, ob wir schon über alle Lieferprobleme informiert sind. Denn erst wenn das der Fall ist, wird die Aktie einen Boden finden. Und wenn ich mir vor Augen führe, dass Airbus derzeit in seiner Verzweiflung einen defizitären US-Zulieferer übernehmen möchte, könnte ich mir vorstellen, dass da noch einiges im Argen liegt.
Mit einem langen Zeithorizont können Sie also nachkaufen, denn die Aktie ist auf Basis ihrer langfristigen Umsatzentwicklung und Gewinnmarge fair bewertet. Doch Sie könnten gute Nerven benötigen, falls weitere Probleme zu Tage kommen.
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