Leserfragen (August 2024)


 Frage vom 29.08.2024

#Carrefour mit Eigenmarke erfolgreich

Hallo lieber Herr Heibel

Zum Thema: Retailer mit günstigen Eigenprodukten
Da könnte auch eine Carrefour mit 6% DivRendite interessant werden (trotz 30% frz.QueSt, von der nur 12,8% mit der dt. Abgeltungst. verrechnet werden)

Carrefour has significantly increased its revenue over the past few years while maintaining stable inventory levels.
The retailer’s total revenue increased from 74.2 billion euros ($80.96 billion) in 2018 to 84.9 billion euros in 2023, according to FactSet data, a rise of 14.4%.

Carrefour’s growth in own-label products, which now account for nearly 40% of revenues. As consumers trade down to more affordable options
in difficult economic times, Carrefour benefits, as they earn higher margins on own-label products than on branded ones.

The company makes nearly half of its money in France and the rest overseas, including almost 15% of total sales from Brazil.

Carrefour monetizes its online platforms by allowing brands to pay for prominent product placement.

Mit freundlichen Grüßen, Nikolai aus Essen

 Antwort:

Vielen Dank für den Hinweis, habe ich mir angeschaut: Carrefour verzeichnet derzeit kein Umsatzwachstum, der Gewinn geht jedoch im laufenden Jahr Analystenerwartungen zufolge leicht zurück. Mag sein, dass dies dem Ziel geschuldet ist, den Kunden günstige Preise anzubieten. Sieht solide aus, aber wirklich spannend für uns als Aktionäre ist das nicht. Die Bewertung ist mit einem EV/EBITDA von 5 unterhalb des 10-Jahresdurchschnitts von 6. Ich würde sagen, mit der Aktie machen Sie langfristig nichts falsch, doch sie reißt mich nicht vom Hocker.


 Frage vom 29.08.2024

#Fair Market Value für Timing

Hallo Herr Heibel. Ich möchte mit den zu erwartenden Turbulenzen Sep-Nov mein Equity Portfolio deutlich erweitern und habe dazu eine diversifizierten globale Auswahl an Einzeltiteln und ETF definiert.
Um trotzdem den richtigen Einstiegszeitpunkt oder die diversen Zeitpunkte für mehrere Tranchen zu finden, würde ich mich gerne an einem Fair Market Value orientieren. Sie hatten vor einigen Monaten Ihr Research Toll eu gesucht und sicherlich einige Anbieter verglichen. Was würden Sie mir als Nicht Profi für einen Dienst empfehlen (Bloomberg definitiv zu zeitraubend und wahrscheinlich auch zu teuer). Freue mich auf Ihr Feedback.
Ihr Thomas aus Düsseldorf

 Antwort:

Ich bin dabei, eine Reihe von Tabellen zu entwickeln, die mir auf Basis der Bloomberg-Daten einen guten Marktüberblick geben. Alle anderen Tools, die ich getestet habe, zeigten Mängel, die ich als Profi meinen Kunden nicht zumuten kann. Ich bin damit jetzt dem Amateur-Lager entsprungen und habe daher leider keinen Tipp für Sie.

Grundsätzlich erwarte ich ebenfalls einige turbulente Wochen bis in den Oktober hinein. Ich werde meine Käufe weniger am Fair Market Value ausrichten, sondern das Timing durch die Sentiment-Daten vornehmen, die ich in Kapitel 3 regelmäßig bespreche.


 Frage vom 29.08.2024

#Entwicklung Hypothekenzinsen

Hallo Herr Heibel,

auf welchem Niveau sehen Sie die Hypothekenzinsen in Deutschland auf Sicht von 3 bis 5 Jahren?
Was waren aus Ihrer Sicht die tatsächlichen Gründe für die jahrelange Nullzinspolitik?
Hat sich fundamental seitdem etwas verändert oder ist der sprunghafte Anstieg der Zinsen allein der Coronapandemie und dem Ukrainekonflikt geschuldet?

Ich freue mich übrigens jede Woche sehr auf den Heibel-Ticker. Ich finde Sie machen das sehr gut.

Viele Grüße

Bernhard aus Ehekirchen

 Antwort:

Ich habe das Thema damals im Heibel-Ticker mehrfach aufgegriffen, (zuletzt am 10.4.2020 in Kapitel 6)[https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/1736?#ch6): Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ist dramatisch eingebrochen. Zunächst aufgrund der Corona-Pandemie, danach auch nochmal durch den Ukraine-Krieg. Entsprechend musste die Geldpolitik mehr Geld zur Verfügung stellen, um das Preisniveau zu halten. Diese Liquidität wird nun im Zuge der Normalisierung unserer Wirtschaft und dem damit einhergehenden Anziehen der Umlaufgeschwindigkeit wieder entzogen, indem das Zinsniveau nach oben geschraubt wurde.

Da es sich um externe Schocks handelte, musste die Geldpolitik darauf reagieren. In meinen Augen hat die Geldpolitik zu stark reagiert, die Zinsen zu lange niedrig gehalten. Doch ich bin natürlich nicht in der Lage zu beweisen, dass weniger Liquiditätsflutung auch gereicht hätte. Heute stellen wir fest, dass mit der Liquiditätsflutung ein Strukturwandel unserer Wirtschaft erfolgte. In meinen Augen eben in negativer Richtung, da die Niedrigzinsen defizitäre Geschäftsmodelle zugelassen und dadurch notwendiges Personal für lukrativere Projekte unsinnig gebunden hat.

Hypothekenzinsen werden durch die Zinsentwicklung „am langen Ende“ der Zinskurve bestimmt, also durch den Marktzins für lange laufende Anleihen. 10 Jahre laufende Bundesanleihen tragen derzeit eine Rendite von 2,4%. Das Zinsniveau ist niedrig. Damit wird die Erwartung ausgedrückt, dass die Inflation besiegt wurde. Anleger fürchten derzeit also nicht, dass die Inflation wieder anzieht. Sie gehen davon aus, dass es sich um einen Einmaleffekt handelte, verursacht durch Corona und den Ukraine-Krieg.

Wir sehen aber schon, dass die Konjunkturprognosen relativ verhalten ausfallen. Sollte die Konjunktur Probleme bekommen, so würde die Geldpolitik (EZB) gefordert sein. Sie müsste dem Markt wieder Liquidität zuführen, also bspw. den Leitzins senken, um die Konjunktur in Schwung zu halten. Eine erneute Liquiditätsflutung würde jedoch langfristig wieder den Inflationsdruck erhöhen, die langfristigen Zinsen, und somit auch der Hypothekenzins, würden wieder ansteigen.

Ich denke also, dass wir derzeit schon wieder sehr günstige Finanzierungsbedingungen für Immobilien haben.


 Frage vom 29.08.2024

#Einschätzung zu BioNTech

Hallo Herr Heibel,
könnten Sie Ihre Meinung zu einem invest in Biontech in einem der nächsten Beiträge schreiben?
Ich bin hin und hergerissen und mit dem Bauch dazu wäre ich gern bereit, hätte aber gerne noch Ihr fundiertes Wissen und Recherche als Experten background. Kann dann natürlich auch anders werden, aber dann scharwenzel ich nicht dauernd um die Aktie herum 😉
Liebe Grüße von Annette aus Schorndorf

 Antwort:

Die Umsatzentwicklung von BioNTech war durch Corona wie folgt:
2019: 108 Mio..€
2020: 482 Mio. €
2021: 18.976 Mio. €
2022: 17.310 Mio. €
2023: 3.819 Mio. €
2024: 2.718 Mio. € erwartet

Inzwischen setzt BioNTech also weniger um als noch vor Corona. Durch die Pandemie wurde ein großer Haufen Gewinn erwirtschaftet, noch immer liegen 17 Mrd.€ Barreserven in der Bilanz. Investiert werden im laufenden Jahr 430 Mio.€. Aus der weiteren Geschäftstätigkeit ergibt sich ein erwarteter Jahresverlust (EBITDA) von 1 Mrd.€. Auf dem aktuellen Niveau könnte BioNTech also noch 17 Jahre weiterforschen, ohne dass dem Unternehmen das Geld ausgeht. Das nenne ich gesund.

Doch was soll man mit der Aktie machen? Das Unternehmen forscht im Bereich der frühzeitigen Impfungen gegen Krebs auf Basis der mRNA-Technologie, mit der auch der Impfstoff gegen Corona entwickelt wurde. Ist der Ansatz vielversprechend? Ja. Doch wird er zum Erfolg führen? Das wissen wir noch lange nicht. Zu berücksichtigen ist, dass auch Moderna in diese Richtung forscht. Es handelt wich also um ein Wettrennen, bei dem der Erste die Lorbeeren einsammelt. Für den Zweiten wird auch was übrig bleiben, aber deutlich weniger …

… wenn dieser Ansatz überhaupt zum Ziel führt. Und das kann heute niemand mit Sicherheit vorhersagen.

Es ist davon auszugehen, dass im Falle von Forschung- und Entwicklungserfolgen die Investitionen deutlich hoch gefahren werden müssen. Es gibt daher keine Kennziffern, mit denen wir bestimmen könnten, wo ein fairer Wert für die Aktie liegen könnte. 1 Mrd.€ Verlust bei 2,7 Mrd.€ Umsatz ist schon ziemlich niederschmetternd. Auf der anderen Seite liegt die Marktkapitalisierung bei 19 Mrd.€: Da muss schon ordentlich Umsatz bei rausspringen, wenn sich ein Investment lohnen soll.

Ein ganz anderer Punkt wird mir immer wieder zugeschickt: BioNTech müsse sich vor Gericht für die Verabreichung des Corona-Impfstoffes verteidigen und könnte zu hohen Strafzahlungen verurteilt werden. Diese Gefahr sehe ich nicht. Das Vorgehen war von der Politik gestützt und fand einen breiten (wenn auch nicht absoluten) Konsens in der Bevölkerung, obwohl über die frühe Markteinführung und die dadurch fehlenden Langzeitstudien aufgeklärt wurde.

Dennoch gibt es mMn aussichtsreichere Pharma-Aktien :-).


 Frage vom 29.08.2024

#Va-Q-Tec nicht mehr handelbar

Hallo Herr Heibel,

ich kaufte einst Va-Q-Tec und könnte schwören auf Empfehlung von Ihnen. Nun kann ich sie plötzlich nicht mehr verkaufen. Könnten Sie mir bitte sagen, was ich tun muss?

Vielen Dank! Inga aus Düsseldorf

 Antwort:

Ja, mit Va-Q-Tec CEO Dr. Joachim Kuhn haben wir vor drei Jahren ein [https://www.youtube.com/watch?v=BupbdtPDuo4](einstündiges YouTube Video) gemacht, in dem er sein Unternehmen ausführlich vorstellte. Ich war begeistert von der Technologie, die Aktie schaffte es jedoch aufgrund der damals bereits hohen Bewertung nie ins Heibel-Ticker Depot.

Va-Q-Tec wurde Anfang 2023 von EQT, einem Finanzinvestor, zu 26€ übernommen: 70% der Aktien gingen an EQT. Sie werden damals entsprechende Infos von Ihrem Broker erhalten haben. Die Aktie wird nur noch über die Börse Hamburg gehandelt, es finden ab und zu noch Transaktionen statt: Derzeit zu Kursen um 23,60 EUR.

Ich fürchte, Sie müssen sich direkt an Va-Q-Tec wenden, wenn Sie Ihre Aktien verkaufen wollen. Hier die Kontaktdaten:

VA-Q-TEC AG
Alfred-Nobel-Straße 33 --
97080 Würzburg

Telefon +49-931-35-942-0
Email info@va-q-tec.com


 Frage vom 29.08.2024

#Investition in Erdöl

Hallo Herr Heibel,

ich habe eine Frage betreffend Erdöl. Sie erwähnen in Ihrem letzten Heibel-Ticker vom 9. August 24, dass sich der
Erdölpreis in der kommenden Zet nach oben bewegen könnte.
Gibt es neben Coterra Energy noch andere Möglichkeiten (Unternehmen, Direktinvestition in Öl), um in diesen Sektor zu investieren?

Vielen Dank für Ihre stets sehr fundierten und hoch interessanten Analysen und Berichte!

Freundliche Grüsse
Christoph aus Merlingen

 Antwort:

Wir haben uns für Coterra entschieden, weil das Unternehmen zwischen Öl und Gas hin und her schalten kann, je nach Nachfrage und Preisniveau. Alternativ erfüllen Chevron, Exxon Mobil und Phillips 66 alle fünf Kriterien, die ich für gute Dividendenaktien anlege. Chevron hat dabei die besten Wachstumsaussichten. Aus Japan erfüllt auch noch Enos Holdings I unsere Dividendenkriterien.

Harris oder Trump? Unter Trump, das haben wir bereits erlebt, dürften viele Projekte im Energiesektor genehmigt werden, die unter Harris eher schwer durchkommen würden. Für Trump ist die Wirtschaft wichtiger als die Umwelt. Damit ist absehbar, dass unter Trump mehr Öl gefördert würde als unter Harris. Der Ölpreis würde entsprechend fallen, Öldienstleister hingegen hätten Hochkonjunktur.

Unter Harris wäre es genau umgekehrt: Ölkonzerne würden sich über hohe Ölpreise freuen, Öldienstleister würden aber weniger Neuprojekte erhalten.

Öldienstleister wären beispielsweise Halliburton und Schlumberger, aber auch Baker Hughes. Halliburton wäre hier mein Favorit, weil das EV/EBITDA mit 6,1 recht günstig ist.

Mit Optionsscheinen oder Futures oder ähnlichem auf den Ölpreis würde ich nicht hantieren, weil der Ölpreis fallen kann. Mit den Aktien von Unternehmen könnten Sie eine solche Phase aussitzen. Optionsscheine und Futures unterliegen einem Zeitwertverlust: Ein eventuelles Warten kostet viel Geld.


 Frage vom 09.08.2024

#Snap & Pinterest versus Meta

Lieber Herr Heibel, ich bin immer wieder über Ihre tiefen Research Ergebnisse wie die über die Chipsituation verblüfft. Immer wieder lese ich auch in amerikanischen Börsenmedien über die Margenstärke der sog. Kommunikations-Dienstleister, also nicht der originären Netz etc Provider, sondern von Firmen wie Pinterest, Snap etc., die über größere Margen als zB die Chipindustrie und sonstigen Tech Giganten verfügen sollen. Ich kenne aber nur die obigen zwei. Könnten Sie sich nicht mal dieses Themas annehmen bitte ?
Gruss aus dem Rheinland und den immer noch im Urlaub befindlichen Thomas Tim aus Düsseldorf

 Antwort:

Auch Snap und Pinterest haben diese Woche Q-Zahlen vorgelegt. Die Zahlen waren eine Enttäuschung. Der Grund ist den Zahlen und Unternehmensmeldungen kaum zu entnehmen, ich kenne ihn trotzdem: Im Wettbewerb mit Facebook und Instagram, den beiden Diensten von Meta, haben Pinterest und Snap keine Chance. Mark Zuckerberg hat eine eigene KI gebaut, die das Ausliefern von Werbung und weiteren Inhalten besser optimiert, als dies irgendein Wettbewerber derzeit vermag. Wenn Sie also in diesem Bereich investieren möchten, dann in Meta.


 Frage vom 09.08.2024

#Abnehmpille: Gewöhnungseffekt & Generika

Hallo Herr Heibel,

es gibt einen Punkt in ihrer Argumentation zu GLP-1 (relevante Auszüge unten kursiv), welchen ich nicht ganz nachvollziehen kann. Und zwar den nach der Notwendigkeit einer lebenslangen Medikamenteneinnahme.

Desweiteren sollte man das Risiko der Patente / Generika nicht unterschätzen.
Ich weiß nicht ob ich dazu hier im Heibel-Ticker oder im Internet gelesen habe.
Zwei Einflussgrößen sind dabei meiner Meinung nach nicht betrachtet worden.

Notwendigkeit lebenslangen Medikamenteneinnahme?
Ich finde den Vergleich zu einer Kur hervorragend. 👍
Aber wie lange dauert eine Kur? 4-6 Wochen?
Meist wird man dort "bekocht".
Dazu üblicherweise auch eine andere Tagesroutine als daheim.
Dann wird man nach Hause entlassen, muss selbst kochen oder greift vielleicht wie gewohnt auf Fertiggerichte zurück.
Das gleiche Problem wie bei allen Diäten, dass der "Behandlungzeitraum" viel zu kurz für eine Umstellung von Gewohnheiten ist.

Wenn ich mir die Behandlung mit GLP-1 nun als 2- bis 3-jährige "Kur daheim" vorstelle, bei der ich weiterhin selbst kochen muss, ohne plötzliche Umstellung der Tagesroutine, kombiniert mit weniger Hungergefühl, mehr Völlegefühl, sowie dem Bedarf nach zumindest etwas regelmäßigem Sport um gegen den Muskelabbau vorzugehen ...
Die Chance, dass sich da eine dauerhafte Gewohnheitsumstellung (Ernährung, Sport, ...) "einschleicht" halte ich für sehr hoch.
Die Notwendigkeit einer lebenslangen Medikamenteneinnahme sehe ich daher nicht. Oder übersehe ich hier etwas Grundlegendes?

Ich teile die Ansicht, dass bis auf weiteres der Absatz dieser Medikamente nur durch die Produktionskapazitäten limitiert ist.
Endlos fortschreiben sollte man den Bedarf aber nicht.

Patente / Generika
Bei Medikamenten in dieser Preisklasse, und mit einer solchen "Strahlkraft" in das Gesundheitssystem, sollte man die "Kreativität" der Verbraucher und der involvierten (staatsnahen) Instanzen nicht unterschätzen.

Ich unterstelle dabei keinen Rechtsbruch, sondern das Einwände von Generika-Herstellern tendenziell eher wohlwollend geprüft werden.
Eine Aussage (wahrscheinlich aus dem Internet) das mit Generika nicht vor Mitte der 40er zu rechnen sei, wage ich zu bezweifeln. Ich würde da eher auf die sehr frühen 30er tippen, wobei die Aktienmärkte dies üblicherweise frühzeitig einpreisen.

Und was die Verbraucher angeht:
Wenn es mit der Abnehmpille klappt, und diese nicht täglich sondern wöchentlich eingenommen werden kann, bin ich mir sicher, das diese zum Top-Urlaubssouvenir aus Ländern mit schwächerem Patentrecht als USA/EU wird. Ich meine hierbei offizielle(!) Generika für ärmere Länder.
Bei den "blauen Pillen" war es seinerzeit ähnlich. (50 Pillen zwischen Ibu, Loperamid & Co fallen einfach nicht weiter auf.)
Wie groß der Marktanteil der Touristen am Gesamtabsatz sein kann, vermag ich aber nicht abzuschätzen.

Auszüge aus Heibel-Ticker:
Man weiß, dass das GLP-1 Hormon im Gehirn das Hungergefühl zurückdrängt und gleichzeitig für eine langsamere Verdauung sorgt.
Das heißt, Sie haben nicht nur weniger Hunger, sondern das Völlegefühl hält länger an.
...
Genau wie bei Diabetes wird dem Körper nicht beigebracht, dünn zu sein oder weniger Hunger zu haben. Sobald man Wegovy oder Zepbound absetzt, steuert der Körper auf sein ursprüngliches Gewicht zu. Die Kunden von Novo Nordisk und Eli Lilly müssen also ein Leben lang Kunden bleiben.
...
Denn viele Menschen "können" ihre Essgewohnheiten nicht ändern. Theoretisch könnten sie es und wenn man sie auf eine Kur schickt, stellen sich positive Effekte sofort ein. Doch zu Hause verfallen sie häufig umgehend wieder in die alten Muster und nehmen wieder zu.

Mit freundlichen Grüßen
Daniel aus Essen

 Antwort:

Vielen Dank für Ihre Gedanken.

@Gewohnheit: Ja, Sie übersehen, dass viele Menschen aufgrund anderer Rahmenbedingungen (Dispositionen) zu Fettleibigkeit neigen. Bspw. durch psychische Erkrankungen und die damit einhergehenden Medikamente, die eine Fettleibigkeit als Nebenwirkung mit sich führen. Die Abnehmpille ist für chronisch Übergewichtige gedacht, nicht für diejenigen, die durch ein wenig mehr Sport und mehr Disziplin vielleicht selber dagegen ankommen könnten. Aber ich kann Ihre Argumentation nachvollziehen, es wird bestimmt einige Menschen geben, die nach einer Medikamentenphase dann auch ohne zurecht kommen.

@Generika: Der Aufbau der Produktionskapazitäten ist exorbitant teuer, wie wir derzeit an Novo Nordisk und Eli Lilly sehen. Möglich ist natürlich alles. Aber ich würde denken, dass nur wenige Menschen importierte Pillen nehmen. Jeder, der zur Zielgruppe gehört (siehe oben: chronische Fettleibigkeit), wird lieber das über ein Rezept durch die Krankenkasse bezahlte Medikament auf offiziellem Weg nehmen. Nur eine kleine Anzahl wird das Abenteuer von Importen auf eigene Kosten eingehen.


 Frage vom 09.08.2024

#Abnehmspritze von Roche, Brasilien

Moin Herr Heibel,

Vielen Dank für die fundamentalen Artikel zu KI und GLP-1. Super interessant !
Es hilft mir damit sehr die Spreu vom Weizen zu trennen, besonders im KI Bereich.

Kleiner Witz aus dem Silicon Valley:
"Du möchtest eine Yacht in der Karibik? - Geh zu Investoren und sage ihnen, dass Du die Yacht 'AI-Lady' nennen wirst. Und schon bekommst du das Kapital dafür".

# ROG
Eigentlich mache ich um Pharma einen grossen Bogen, da ich keine Lust habe, Pharmastudien zu verfolgen.
Ich möchte Sie trotzdem noch auf einen CHF Pharma Titel (ist bei mir im Dividende Bereich) aufmerksam machen, bei dem ich von meiner Regel abgewichen bin:
ROCHE aquiriert und investiert enorm im Schlankmacher Bereich:
https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/pharma-roche-will-die-entwicklung-neuer-diaetmittel-beschleunigen/100056074.html
https://www.cnbc.com/2024/07/25/roche-wegovy-obesity-rival-to-be-part-of-a-suite-of-weight-loss-drugs.html
Ich freue mich natürlich über den für ROCHE grossen Kurssprung, der vom Turnaround und diesen Nachrichten ausgelöst wurde.
Zum Teil ist jedoch zu lesen, dass ROCHE mit der ausstehenden Entwicklung und den aktuellen Aquisitionen erst in 6-8 Jahren Geld im Schlankmacher Bereich verdient. Also ist ROCHE wie immer nur ein Trittbrettfahrer?
Ich finde jedenfalls keine Hinweise auf aktuelle Medikamente, die schon Einnahmen im Schlankmacher Bereich generieren.

# BRL
Ich habe irgendwie im Hinterkopf, dass Sie sich auch für Brasilien interessieren:
Der BRL hat ggü. USD, EUR, CHF in einem Jahr über 20% an Wert verloren.
Und das bei einer Inflation von nur ca. 4%, wenn die offiziellen Zahlen denn überhaupt stimmen.

Die Ursache ist mir - glaube ich jedenfalls - klar: die brasilianische Zentralbank steckt in der Zwickmühle zwischen Inflationsbekämpfung (Zinsen runter in den letzten Jahren von 14% auf ca.10%) und Abzug von Investorengeldern in den vergleichsweise attraktiven USD (weniger polit./ökonom. Risiko bei ähnlicher Rendite). Jedenfalls senkt die Zentralbank jetzt erstmal die Zinsen nicht mehr.
Es war klar, dass besonders die "Schwellenländer" unter dem hohen Zinsniveau in US/EU leiden werden, aber so stark wie in Brasilien und mit so gravierenden sozialen Auswirkungen habe ich das nicht erwartet.

Hier ist eine nette Grafik die die um Inflation bereinigten Zinsen weltweit zeigt.
https://g1.globo.com/economia/noticia/2024/07/31/ranking-juros-reais.ghtml

Hier ein Überblick über die Inflation in BR: https://portal-da-inflacao-ibre.fgv.br/#!/inicio

Ich will sie jetzt nicht mit einer Einzelberatung nerven, aber mich interessiert schon ob, sie eine Meinung haben, wie sich weltweit das Zinsgefüge verschiebt, wenn die Zinssenkungsphase in USA/EU (nach hoffentlich bekämpfter Inflation) anfängt. Sie haben ja schon angedeutet, dass das Sentiment "ist die Rezession wirklich so schlimm?" die Märkte eher in einen Abschwung bringt.
Und ja, ich habe "Die Weltordnung im Wandel" von Ray Dalio gelesen..., trotzdem frage ich lieber nochmal nach.

Evtl. ergibt sich daraus ja sogar eine Schwellenländer Chance für uns, wenn es sonst erstmal abwärts geht... : NU Holdings, EMBRAER, SANTOS BRP, BRF SA, PETROBRAS, Rohstoffe, Währungen oder Schwellenländer Fonds ?

Herzliche Grüsse aus Fortaleza, Brasil
Meno

Nachtrag, ich habe mich vorher missverständlich ausgedrückt:
die Inflation ist in Brasilien auf ca 4% gesunken, trotzdem die Zinsen gesenkt wurden.
Jetzt hat die Zentralbank wieder die vermutlich steigende Inflation am Hals... bei gleichzeitig schwachem BRL wegen Investorenabzug.

 Antwort:

@ Roche: Ja, da wird deutlich, wie weit die Konkurrenz hinterher hinkt. Meines Wissens nach gibt es kein drittes Abnehm-Medikament in einer klinischen Studie Phase III. Dennoch werden Aktien von Unternehmen, die plötzlich darin forschen, über Nacht zweistellig nach oben katapultiert. Novo Nordisk und Eli Lilly werden jährlich verbesserte Versionen herausbringen, so dass die Konkurrenz lange brauchen wird, um aufzuschließen …, geschweige denn dann, wenn es soweit sein sollte, die erforderliche Produktionskapazitäten hat. Novo Nordisk ist hoch bewertet und ich überlege permanent, etwas davon zu verkaufen …, behalte die Aktien dann aber doch, wenn ich mir den Vorsprung vor Augen führe.

@ Brasilien: Spannende Gedanken, die Sie da äußern. Ja, ich interessiere mich für Brasilien, weil ich ein wenig Portugiesisch spreche. Aber ich muss zugeben, dass ich keinen tieferen Einblick in das Land habe. Bei mir kommt an, dass die politische Landschaft dort permanent am Rande eines Umbruchs steht. Das ist nicht gerade hilfreich für Investoren. Da sieht es in Argentinien in meinen Augen viel besser aus, denn der jetzige Amtsinhaber hat bereits schmerzhafte Reformen umgesetzt und erfreut sich noch immer einer - wenn auch knappen - Mehrheit in der Bevölkerung. Aber Sie haben recht, wir befinden uns in einer Zeit der Deglobalisierung. Und da haben es Schwellenländer erstmal schwer, da internationales Kapital tendenziell abgezogen wird.