Leserfragen (Juli 2024)


 Frage vom 31.07.2024

#Qualitätsprobleme bei Nvidia

Sehr geehrter Herr Heibel,

vielen Dank für Ihre sehr profunde Analyse und Ihr unermüdliches Engagement.
Bei einem Unternehmen wie NVIDIA, das sich Innovation und allerhöchste Qualität auf die Fahnen schreibt, sind natürlich Artikel, wie der folgende, sehr verwunderlich und lässt die Befürchtung zu, dass sich aufgrund des technologischen Vorsprungs schon ein gerüttelt Maß an Arroganz eingeschlichen hat:

ARTIKEL:
NVIDIA bewirbt seine GeForce RTX 40-Serie als bahnbrechende Technologie. Doch anhaltende Überhitzungsprobleme trüben das Bild der ansonsten leistungsstarken GPUs. Sowohl Berichte von Nutzern als auch diverse Tests von Technikportalen zeigen, dass die Karten extreme Temperaturen erreichen, was die Lebensdauer und Leistung der Hardware beeinträchtigen könnte. Im Zentrum der Kritik steht dabei die Verwendung von kostengünstiger Wärmeleitpaste. Diese Paste, die für die Ableitung von Wärme zwischen der Grafikkarte und dem Kühlkörper verantwortlich ist, scheint bei höheren Temperaturen ihre Wirksamkeit zu verlieren. Dadurch wird die Wärme nicht effizient abgeführt, was zu den alarmierend hohen Temperaturen führt. Igor Wallossek, Hardware-Experte und ehemaliger Chefredakteur von Tom’s Hardware Deutschland, spricht in diesem Zusammenhang von billigem "Blendwerk mit einer eingebauten Zerfallszeit von nur wenigen Monaten.

Die Probleme mit der GeForce RTX 40-Serie sind nicht neu. Bereits vor Monaten berichteten Nutzer von Überhitzungserscheinungen und Leistungseinbrüchen. Laut t3n hat NVIDIA bislang keine umfassende Rückrufaktion gestartet, obwohl die Beschwerden in der Community zunehmen würden. Stattdessen würde der Hersteller betroffenen Nutzern raten, sich an den Support zu wenden, um individuelle Lösungen zu finden, so das Technikmagazin. Technikforen und -seiten sind voll von Tipps, wie Nutzer selbst Hand anlegen können, um das Problem zu beheben. Dazu gehört unter anderem der Austausch der Wärmeleitpaste durch hochwertigere Produkte. Dieser Schritt ist jedoch nicht ohne Risiko und könnte die Garantie der Karten beeinträchtigen.

Mit besten Grüßen
Peter aus München

 Antwort:

Ich würde solche Berichte nicht zu hoch hängen. Es wird behauptet, dass die Lebensdauer und Leistung der Hardware beeinträchtigt werden „könnte“. Ich habe jedoch von CEO Jensen Huang gehört, ihr auf einer Konferenz stolz erläuterte, dass bestimmte NVIDIA Grafikkarten eine deutlich höhere Temperatur vertragen würden. Ob dies den Kritikern bekannt ist, weiß ich nicht.

Sollte es wirklich aufgrund einer minderwertigen Wärmeleitpaste Probleme geben, dann wäre die Behebung dieses Problems eine der geringsten Aufgaben für NVIDIA. Eine Auswirkung auf den Aktienkurs würde ich aus dieser Geschichte nicht erwarten.


 Frage vom 30.07.2024

#Nvidias Abhängigkeit von TSCM

Sehr geehrter Herr Heibel,

hiermit möchte ich mich bei Ihnen für die ausgezeichneten Erläuterungen zu NVIDIA im speziellen
und zur KI-Entwicklung im allgemeinen, bedanken.
Das war für mich sehr informativ und lesenswert.

Was ich aus Ihrem Bericht und auch aus der aktuellen Wochenendausgabe des Handelsblattes nocht nicht genau verstanden habe.
Wie muss man sich zum Beispiel die Zusammenarbeit mit TCMS vorstellen?

Entwickellt NVIDIA die Chipstruktur und stellt Prototypen her und TCMS fertigt diese in Serie 0der wie muss man sich das vorstellen?
So viel ich weiß hat NVIDIA keine großen Produktionsstätten. Die Chips müssen m.E. demnach in Laboren entwickelt und getestet werden.

Das würde bedeuten, dass es große Abhängigkeiten gibt. Wie kann man das vertraglich absichern?
Ist das zu vergeichen mit dem Verhältnis zwischen Biontech und Pfizer bei der Covid-Impfstoffproduktion?

Aus der Handelsblatt Beichterstattung geht auch hervor dass NVIDIA ein großes Netzwerk von vielen selbständigen Firmen und Sart Ups unterhält.

Nochmals vielen Dank für Ihre so umfangreichen Informationen.

MfG
Friedrich aus Essen

 Antwort:

Der Vergleich mit BioNTech und Pfizer hinkt, denn BioNTech bediente den europäischen Markt und Pfizer den US-Markt. BioNTech griff zwar auf Produktionskapazitäten von Pfizer zu, doch Pfizer sicherte sich ebenfalls ein eigenes Verkaufsgebiet.

Taiwan Semiconductor Manufacturing Company TSMC ist lohnfertiger für Nvidia. Nvidia konzipiert die Chips und liefert die Stücklisten und Bauanleitungen an TSMC. Die Taiwanesen haben Kapazitäten an Reinraum-Fertigungsmöglichkeiten für Hochleistungschips wie kein anderes Unternehmen der Welt. Die fertigen Chips werden dann an Nvidia geliefert. Einen eigenen Verkauf darf TSCM nicht vornehmen.

Ja, die Abhängigkeit Nvidias von TSCM ist groß, doch auch Samsung, Apple, AMD und alle anderen Chiphersteller dieser Welt sind abhängig von TSCM, da rund zwei Drittel aller Chips von TSMC hergestellt werden.

Da die Fertigungstechnik eine Wissenschaft für sich ist, baut TSCM inzwischen Fertigungsanlagen in den USA und auch in Europa. Von heute auf morgen lässt sich die Abhängigkeit nicht beseitigen, doch zumindest in den USA hat man das Problem erkannt und setzt Alternativen konsequent um. In Europa hinken wir, wie immer, etwas hinterher.

Das Netzwerk mit Start-Ups ist in den USA und insbesondere im Silicon Valley üblich. Damit sichert man sich seine Zukunft, denn kreative Neuigkeiten kommen häufig von Tüftlern und nicht immer aus dem unternehmenseigenen Forschungslabor. Wenn man also mit den Start-Ups in Kontakt ist, kann man ggfls. eine vielversprechende Erfindung frühzeitig fördern und ggfls. für den eigenen Konzern nutzen. Das sind aber Dinge, die meist 2-5 Jahre in der Zukunft liegen, oder noch länger.


 Frage vom 30.07.2024

#Berkshire Hathaway für Alters-Sparplan

Guten Tag Herr Heibel,
was halten Sie von einer Investition in die o.a. Investmentholding, anstatt in die vorgestellten Sparpläne. Ein Investment mit moderatem Risiko und einem + seit 06/23 von ca.30%,oder habe ich da etwas übersehen.
Viele Grüße vom Westerwald, Friedhelm

 Antwort:

Seit 50 Jahren steht Warren Buffett an der Spitze von Berkshire und beweist immer wieder ein geniales Näschen für langfristig solide Unternehmen. Sein kongenialer Partner Charly Munger ist kürzlich mit 99 Jahren verstorben, Buffett selbst ist 93 Jahre alt. Ich habe viele außergewöhnliche Menschen kennengelernt. Eine Institutionalisierung der Genialität ist nicht möglich oder zumindest extrem schwer. Ich würde daher mit Berkshire nicht auf die nächsten 40 Jahre wetten.


 Frage vom 23.07.2024

#TUI Wandelanleihe als Spekulation

Hallo Herr Heibel,
vielen Dank für den wie immer informativen Börsenbrief.

In einer Leserfrage haben Sie auch TUI angesprochen.

Wahrscheinlich wissen Sie es auch schon, aber zur Vorsicht sende ich Ihnen die Info nochmals zu.

TUI gibt momentan eine Wandelanleihe aus, die lediglich mit 1,95% verzinst wird und einen Wandlungspreis von 9,60 Eur (also rund 50% über dem aktuellen Preis) hat.
Damit soll der KFW-Kredit (teilweise?) abgelöst werden.

Zumindest dürften damit die Zinszahlungen bei TUI sinken, denn der KFW-Kredit hat meines Wissens einen deutlich höheren Satz.

Allerdings werden damit auch Erinnerungen an die vielen Kapitalerhöhungen der TUI wach und die Aktie sinkt heute kräftig…

Trotzdem könnte die Aktie (vielleicht) eine Spekulation wert sein…

WANDELANLEIHE
Juli 2024 bis Juli 2028
Zins: 1,95%
Wandlungsprozess: 9,60 EUR
Stückelung: 100.000EUR

Mit freundlichen Grüßen, Thomas aus Saarlouis

 Antwort:

Vielen Dank, kannte ich noch nicht: Klingt interessant, denn, wenn TUI wieder auf die Beine kommt, dürfte die Aktie in 4 Jahren deutlich mehr als 50% steigen. Sollte es hingegen nicht klappen, bleiben 2% Verzinsung p.a. auf 4 Jahre.

Als Ergänzung zu meiner Bewertung der TUI Aktie vor einer Woche (siehe [Heibel-Ticker #24/29](https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/2213)) wäre das also ein gutes Instrument, um das Risiko der Spekulation überschaubar zu halten.

Leider ist die Stückelung von 100.000 EUR so groß, dass diese Wandelanleihe für die meisten Privatanleger als Spekulation ungeeignet ist.


 Frage vom 18.07.2024

#Vorabbesteuerung von thesaurierenden ETFs

Hallo Herr Heibel, lieber Schülerpraktikant, Markus hatte eine Frage im letzten Newsletter gestellt.
Bei thesaurierenden Fonds gibt es auch die Vorabpauschale, so dass ein Teil der Gewinne jedes Jahr zu versteuern ist.
Vllt hebt das Bild eines Bänkers damit wieder etwas an.
Lg
Thomas aus Montabaur

 Antwort:

Vielen Dank für den Hinweis. Ich kenne viele nette Banker. Meine Kritik betrifft selten die Mitarbeiter vor Ort, sondern vielmehr unser Banksystem, das eine individuelle Beratung fast unmöglich macht.

Um ehrlich zu sein, ich bin wohl leider nicht der Typ, der heute die zu erwartenden Renditen für 40 Jahre auf den Cent genau ausrechnet und dabei jede Nachkommastelle bei Steuern und Gebühren berücksichtigt. Vielmehr fällt es mir schwer mir vorzustellen, dass ich mich 40 Jahre an eine solche Entscheidung halte. Alle fünf, spätestens alle 10 Jahre würde ich, wenn ich nicht viel mit der Börse am Hut hätte, die Situation aus meiner Sicht beurteilen und gegebenenfalls den Fonds wechseln: In den 90ern vielleicht eher Schwellenland-ETFs, später Rohstoffe, aber auf keinen Fall Banken (davor hatte ich Mitte der 2000er vehement gewarnt), dann IT, … mal sehen, was als Nächstes kommt.

Mit solchen Anpassungen würde man vermutlich einen wesentlich positiveren Effekt auf die Rendite haben, als sich mit den Nachkommastellen der Besteuerung zu beschäftigen.


 Frage vom 18.07.2024

#Diese Rechnung bringt die KI-Blase zum Platzen

Hallo Herr Heibel,

wann platzt die KI-Blase (Nvidia)?
Siehe den Text bzw. den Link zur Webansicht (Rene will Rendite).

Das macht mich sehr nachdenklich! Fast Angst!

Herzlihe Grüße
Uwe aus Leinfelden

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Die 600-Milliarden-Dollar-Frage

Der Autor des Papers, David Cahn, geht anhand seiner Erfahrungen bei Startups von drei einfachen Annahmen aus:

Nvidias KI-Chips vom Typ H100 (oder demnächst Blackwell 100) machen etwa 50 Prozent der Kosten eines KI-Rechenzentrums aus.

Die anderen 50 Prozent entfallen auf Strom, Gebäudekosten und Backup-Systeme.

Jeder KI-Service-Anbieter peilt eine Rohertragsmarge von 50 Prozent (vor Marketing, Personal und anderen nicht produktspezifischen Kosten).

Ausgehend von diesen Annahmen rechnet der Sequoia-Partner vor, wieviel Umsatz die KI-Branche machen müsste, um die Investitionen zu decken. Die Gleichung lautet:

KI-Mindestumsatz = (Nvidias Umsatz mit KI-Chips) mal 2 mal 2

Bezogen auf die letzten Analystenschätzungen, wonach Nvidia 2024 einen Jahresumsatz von 150 Milliarden Dollar mit seinen KI-Chips machen wird, bedeutet das

150 x 2 = 300 Milliarden Dollar Fixkosten

x 2 = 600 Milliarden Dollar Mindestumsatz,

um kostendeckend zu sein.
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[Link zum Artikel](https://newsletter.geld.focus.de/view.html?x=a62e&m=th&mc=D&s=oZqN&u=o&z=FFF8tco&)

 Antwort:

Vielen Dank, das klingt wirklich intellektuell. Natürlich wird Nvidia nicht ewig jedes Jahr um 100% steigen und wenn das explosiv Wachstum im Umsatz einmal nachlassen sollte, wird es eine Korrektur im Aktienkurs geben. Das gab es auch bei Apple, Amazon, Alphabet, Meta, Tesla, … immer wieder.

Die wirklich interessante Frage ist jedoch, ob Nvidia dann abgelöst wird, oder einfach in die hohe Bewertung hineinwächst, bevor es dann weitergeht. Wer der Argumentation folgt, die Sie mir liefern, hat Apple, Amazon, Alphabet, Meta, Tesla und Nvidia schon längst verkauft und blickt auf ein Portfolio, das mit den Wachstumsraten der Indizes nicht mithalten kann.

Daher bitte solche intellektuellen Ergüsse nicht als Warnung verstehen, sondern als Erinnerung, nicht alles auf ein Pferd zu setzen, sondern stets Teilgewinne mitzunehmen und eine gesunde Diversifikation im Portfolio umzusetzen.


 Frage vom 16.07.2024

#Tui: Reisebranche im Aufwind

Sehr geehrter Herr Heibel,

mit Interesse lese ich Ihren wöchentlichen Ticker und ersuche um Ihre geschätzte Meinung:

TUI AG, WKN: TUAG50

Sie hatten diese Aktie vor einiger Zeit Zeit in Ihrem Portfolio. Ich war die letzten Monate gespannt, ob Sie diese Aktie wieder empfehlen werden. Die Reisesaison boomt und FTI verschwindet und gibt seine Kunden ab.
Was spricht gegen einen Kauf/Empfehlung?

Mit freundlichen Grüßen

Andreas aus Wien

 Antwort:

Vielen Dank für Ihr Lob. Ich habe TUI mal auf die Auswechselbank genommen. Der Grund: Die Bewertung ist nun lange genug niedrig geblieben, während sich das Geschäft von der Pandemie gut erholt hat. Die Kritik, dass TUI nach dem coronabedingten Aderlass nicht mehr die TUI von vor Corona sei, ist inzwischen ausreichend eingepreist. Die nach wie vor hohe Verschuldung könnte sich genau dann relativieren, wenn der Aktienkurs steigt. Soll heißen: das Geschäft entwickelt sich bereits viel besser, als es der Aktienkurs erahnen lässt.

Im Einzelnen: Im Coronajahr 2020 mussten Kredite und staatliche Hilfen aufgenommen werden, die zu einer Verschulgung in Höhe von 8 Mrd. EUR führten. Die Marktkapitalisierung fiel in Folge dessen von 6 auf 2 Mrd. EUR. Die Verschuldung war also Ende 2020 viermal so hoch wie die Marktkapitalisierung.

Bis Ende 2023 wurde die Verschuldung auf 4,3 Mrd. EUR zurückgeführt. Die Marktkapitalisierung ist dennoch bei 2,6 Mrd. EUR vergleichsweise niedrig geblieben. Der Enterprise Value, also Marktkapitalisierung plus Schulden abzgl. Cash, ist von 10 Mrd. EUR im Jahr 2020 auf 5,7 Mrd. EUR gefallen.

Mein bevorzugtes Bewertungskriterium, der Enterprise Value/ EBITDA (das bessere KGV) notierte vor Corona zwischen 5 und 8, der Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre liegt bei 7,4. Aktuell beträgt das EV/EBITDA bei 2,3, also sehr niedrig.

Wir hören von einer Konsumentenzurückhaltung, die in der Textilbranche und in der Gastronomie zuschlägt. Doch ich habe schon vor einigen Wochen darauf hingewiesen, dass insbesondere Erlebnisse, wie Konzerttickets und eben Urlaube, von dieser Zurückhaltung nichts spüren. Ich habe den Eindruck, dass die Menschen jetzt Erlebnisse suchen und an dieser Stelle recht stumpf bezüglich der gestiegenen Preise sind.

Wermutstropfen: Ich habe Ihnen angekündigt, dass Zinssenkungen zwar im Vorfeld herbeigesehnt werden, doch sobald sie vollzogen werden, wird die Vorfreude durch Angst abgelöst: Warum sind Zinssenkungen überhaupt nötig? Geht es der Konjunktur wirklich so schlecht? Steigt die Arbeitslosigkeit? … Wenn wir auf ein solches Szenario nach dem Sommer zulaufen sollten, dann dürften Konsumenten auch bei Erlebnissen etwas zurückhaltender werden.

Wenn überhaupt, dann wäre TUI aktuell also eine Spekulation.


 Frage vom 16.07.2024

#BB BIotech, Snowflake, CK Hutchison

Lieber Herr Heibel,

wie immer erst mal ein Dank für die immer spannende Lektüre.

Darf ich um Ihre Meinung zu zwei - aus meiner Sicht - interessanten DIV-Titeln mit Turn-around Potential und einem Wachstumswert bitten?
- BB Biotech
- CK Hutchison
- Snowflake

Bzgl. CK Hutchison (ich suche noch eine solide DIV-Aktie):
- Holding, mit gut diversifiziertem Portfolio(Einzelhandel, Häfen, Telco, Infrastruktur)
- Umsatz stable, aber mit Potential
- Günstig bewertet/ guter operativer Cash-Flow: KGV 6, KCV 3
- Dividende >5% (keine Quellensteuer)
Wird wohl wegen China-Risk in Sippenhaft genommen, macht aber nur 15% Umsatz dort.

Viele Grüße aus der Stadt mit K,
Christian

 Antwort:

Tatsächlich können die Wenigsten in der Finanzbranche bis drei Zählen ;-)

Gerne gehe ich auf Ihre zwei bis drei Titel ein:

BB Biotech
In einem Punkt sind sich Joe Biden und Donald Trump einig: Die Krankenkassenkosten sind zu hoch. Und sparen kann man am besten bei den Pharmakonzernen. Im Wahlkampf wird die Rhetorik gegen Pharmakonzerne dafür sorgen, dass Anleger befürchten, es gäbe morgen nicht mehr genug Kapital für die Forschung. Darunter werden junge Unternehmen mit innovativen Ideen besonders leiden und BB Biotech hat viele solcher Unternehmen im Portfolio.

Gleichzeitig wird meiner Einschätzung nach das Zinsniveau unter Donald Trump schneller sinken, als wir dies derzeit erwarten. Das wiederum befördert den Biotech-Sektor, da die Finanzierungskosten für Forschungsprojekte sinken.

Da die sinkenden Zinsen einen nachhaltig positiven Einfluss haben werden, die Wahlkampfrhetorik lediglich kurzfristig belastet, ist BB Biotech tatsächlich auf meinem Radar.

CK Hutchison
Sitz ist Hongkong, also mittelbar auch in China. Da geht es mir weniger darum, ob das Unternehmen auf dem chinesischen Festland viel Geschäft macht oder nicht, sondern mich interessiert, dass dieses Unternehmen von der chinesischen Politik abhängig ist. Insbesondere wenn es um solide Dividendentitel geht, mache ich einen sehr großen Bogen um China.

Davon abgesehen unterliegt das Geschäft starken Schwankungen, Corona hat auch bei CK Hutchison negative Spuren hinterlassen: Der Gewinn halbierte sich, der Umsatz ist seither kontinuierlich jedes Jahr rückläufig. Günstig bewertet, aber aus gutem Grund.

Snowflake
Hat noch nie einen Gewinn erwirtschaftet. Ich habe auch Snowflake schon lange auf dem Schirm, doch vor dem Hintergrund des hohen Zinsniveaus habe ich Unternehmen, die Verluste schreiben, ausgeschlossen.

Die Aktie hat sich in den vergangenen sechs Monaten halbiert. Frank Slootman war CEO und hatte in der Finanzbranche den Ruf eines hervorragenden Geschäftsmanns. Unter ihm entwickelte sich das Geschäft von Snowflake rasant nach oben, hohe Umsatzwachstumsraten machten Lust auf Gewinne in der fernen Zukunft.

Mit dem Erfolgszug der KI musste Slootman seinen Posten räumen, es kam ein Techniker an die Macht, der nun den sinnvollen KI-Einsatz leitet. Das braucht erneut Zeit und der neue CEO, Sridharan Ramaswamy ist sein Name, hat noch keine Reputation an der Wallstreet.

Snowflake hat jedoch immer wieder ?Pech? mit Cyberattacken bei den eigenen Kunden: Ticketmaster, Advance Auto Parts und Santander Bank hatten in den vergangenen Monaten Datendiebstähle zu vermelden, sie alle sind Kunden von Snowflake. Vor wenigen Wochen gab es einen neuen Fall, der wohl so ziemlich alle AT&T Kunden betrifft. Deren Daten zu Telefonaten und SMS-Nachrichten wurden geklaut. Auch AT&T ist Kunde von Snowflake.

Wir haben uns für eine andere Cybersecurity-Aktie entschieden, da brauche ich mich eigentlich nicht um Wettbewerber mit Problemen zu kümmern.


 Frage vom 12.07.2024

#ETF-Sparen mit Steuerfreibetrag

Hallo Herr Heibel, lieber Schülerpraktikant,

vielen Dank für die Vorstellung der ETFs. Auch ich habe dort schon viel recherchiert, auch um meine beiden Kinder zu motivieren, eigene Sparpläne für die Altersvorsorge anzulegen. Allerdings kommt immer die Empfehlung, thesaurierende ETFs zu nehmen und da kommt meine Frage:

Ist es nicht pfiffiger, ausschüttende ETFs zu nehmen, solange der steuerfreie Freibetrag für Kapitalerträge nicht ausgeschöpft ist. Meine Kinder (25 und 28) haben natürlich sehr spärliche Kapitalerträge, der durchschnittliche Heibel-Ticker-Leser hat den Freibetrag vermutlich im Februar schon verbraten...
Einen schönen Gewinn nach 30 Jahren muss ich doch im Auszahlungsjahr voll versteuern (minus einmalig Freibetrag). Wenn ich Jahr für Jahr den Freibetrag leer mache und dann die Ausschüttung reinvestiere habe ich doch einen Benefit.
War das verständlich?

Habe ich einen Denkfehler oder fehlt mir eine Information?
Ich freue mich auf eine Antwort

VG und großer Dank für die wie immer tolle Lektüre am Samstag morgen beim ersten Kaffee.

Markus aus Hürth

 Antwort:

Ja, die Idee ist gut, aber schwer zu berechnen. Zum einen Fallen beim Rückkauf der Anteile wieder Gebühren an. Zum anderen müssten Sie das jeweils manuell tun, da sich dafür kein Automatismus einrichten lässt. Allein schon an diesen beiden Punkten dürfte die Idee als nicht praktikabel - und am Ende vermutlich auch nicht lukrativ -Probleme bekommen. Ich habe es dennoch überschlagweise durchgerechnet und kam bei entsprechenden Annahmen auf einen sehr geringen Mehrertrag, der den Aufwand sicherlich nicht rechtfertigen würde.


 Frage vom 04.07.2024

#Cancom Aktienrückkauf

Hallo Stephan,

zunächst einmal vielen Dank für Deine Arbeit. Freue mich jede Woche auf den Ticker.....

Es geht um Cancom SE. Dort gibt es aktuell ein Rückkaufprogramm der Aktie.
Es sollen 10 % der Aktien zurückgekauft werden mit entsprechender Eigenkapital
Reduzierung.

Das Angebot liegt bei 33 Euro.....per heute steht die Aktie bei 32,90 Euro.
Die Prognosen bei Cancom sind recht positiv zu bewerten.

Warum sollte man also darauf eingehen, oder siehst Du das anders ?
Danke schonmal für Deine Beurteilung hierzu.

Gruss aus Hannover

Dirk

 Antwort:

Cancom ist ein solides Unternehmen mit ordentlichem Cashflow. Die Bewertung ist bei einem EV/EBITDA von aktuell 10 vor dem Hintergrund des 7%igen Gewinnwachstums (EBITDA) in Ordnung. Das Unternehmen rechnet mit einer anziehenden Nachfrage nicht zuletzt aufgrund der KI-Revolution, die eine Erneuerung der IT-Infrastruktur in Unternehmen mit sich bringt.

Die Investitionen, die Cancom selbst in KI tätigen muss, halten sich in Grenzen. Man hilft ja nur den Kunden bei der Umsetzung der IT-Projekte. Daher kann der freie Cashflow für den Rückkauf von Aktien verwendet werden. Das steigert den Gewinn je Aktie in der Zukunft.

Ich sehe keinen Grund, das „Rückkaufangebot“ anzunehmen. In meinen Augen wird sich das positiv auf den Aktienkurs auswirken.