Leserfragen (August 2025)


 Frage vom 12.08.2025

#ams-Osram Anleihe High Yield

Sehr geehrter Herr Heibel,

Ich habe eine Frage, die vielleicht andere Heibel-Kunden haben könnten. Ich bin inzwischen Rentner, 67, und konnte in letzten Jahren
noch ein wenig Kapital für meine Restlebenszeit aufbauen.

Rente und schuldenfreies Haus reichen zum Leben, ich kann also mit diesem Kapital arbeiten. Neben einem Aktiendepot, dass sich dank des Heibel-Tickers konstant gut entwickelt, habe ich ca. 125.000 EUR Barkapital; davon werden wir 100.000 EUR in den nächsten 10 Jahren garantiert nicht brauchen. Derzeit ist das als Tagesgeld bzw. Festgeld kurzfristig angelegt, und ich würde gerne halbwegs verlustsicher ein bisschen mehr Rendite als die derzeitigen 2 – 2,5% erwirtschaften.

Dabei bin ich auf Anleihen gestoßen. Z.B. so etwas: https://www.comdirect.de/inf/anleihen/detail/uebersicht.html?ID_NOTATION=441111538

Machen solche Papiere Sinn, und wie ist das Risiko zu bewerten? Falls nicht sinnvoll, was könnten Alternativen sein?

Mit ist klar, dass Sie hier keine Vermögensberatung durchführen können - ein wenig Orientierung würde mir aber sehr helfen.

Danke und beste Grüße, Heiko aus Bremen

 Antwort:

Sie möchten wissen, wie sicher die ams-Osram-Anleihe ist. Nun, bei Bloomberg wird ams-Osram als „High Yield 4“ geführt. Die Insolvenzgefahr liegt bei Unternehmen dieser Kategorie bei 2,4-4%.

Es gibt 10 Investment-Grade Stufen, bei denen die Insolvenzgefahr zwischen 0% und 0,52% liegt. Ich halte mich an diese Einstufungen. Ab High Yield Stufe 1 (0,52% - 0,88% Insolvenzrisiko) ist mir das Risiko als Privatanleger bereits zu groß. Die attraktive Rendite von derzeit 8,7% ist ein Zeichen für ein höheres Risiko.

Solche Anlagen sind für institutionelle Anleger mit Milliardenbeträgen eine Beimischung: Sie kaufen dann vielleicht 10 oder 20 verschiedene solcher Anleihen und setzen darauf, dass maximal eine davon insolvent wird. Ab einem bestimmten Volumen rechnet sich eine solche Statistik. Doch für Privatanleger, die, so wie Sie, genau ein Stück der Anleihe kaufen können (Mindestanlage 100.000€), eignen sich solche Anleihen in meinen Augen nicht.


 Frage vom 11.08.2025

#Was bedeutet "stark investiert sein"

Lieber Herr Heibel,

mir ist nicht ganz klar, was Sie in Ihrem [TV-Beitrag mit "Die Anleger sind derzeit stark investiert."](https://www.heibel-unplugged.de/%f0%9f%93%ba-sentiment-analyse-in-der-ard-stephan-heibel-berichtet-vom-frankfurter-boersenparkett/) meinen.

Wenn jemand z.B. Aktien kauft, verkauft jemand entsprechend diese Aktien, d.h. das "Investiert-Sein" ändert sich in Summe nicht.
Anlieger als Ganzes sind doch daher immer in gleichem Umfang investiert, weil die Aktien im Prinzip immer unverändert im Besitz der Gesamtheit der Anleger sind.

... oder sind diese Finanzjargons wie "investiert sein" nur in übertragenem Sinne zu verstehen?

Mit freundlichen Grüßen
Volker aus Hamburg

 Antwort:

Rein technisch betrachtet ändert sich der „Besitz“ an Aktien in der Anzahl nie – jede Aktie, die verkauft wird, landet sofort wieder bei einem Käufer. Die Anzahl aller im Markt befindlichen Aktien bleibt also konstant.

Wenn wir Börsenbeobachter dennoch sagen, „die Anleger sind stark investiert“, dann ist das tatsächlich ein Finanzjargon, der nicht die absolute Menge meint, sondern die relative Positionierung im Vergleich zu Alternativen. Es geht darum, wie viel des verfügbaren Kapitals die Anleger aktuell in risikobehafteten Anlagen wie Aktien gebunden haben – statt es zum Beispiel in sicheren Staatsanleihen, Geldmarktfonds oder auf Tagesgeldkonten zu parken.

Nehmen wir mal an, alle in Deutschland gehandelten Aktien haben ein Volumen von 2 Billionen Euro und alle in Deutschland gehandelten Anleihen liegen bei 4 Billionen Euro. Wenn nun Anleger 100 Mrd. Euro an Anleihen verkaufen und dafür Aktien kaufen, dann bricht der Kurs der Anleihen ein, der Kurs der Aktien schießt in die Höhe. Das Verhältnis zwischen Aktien und Anleihen verändert sich, man würde davon sprechen, dass Anleger „hoch“ investiert sind.

Das „Investiert-Sein“ wird also eher im übertragenen Sinne verstanden: Es beschreibt die allgemeine Risikoneigung im Markt. In Phasen hoher Investitionsquote stecken viele Anleger schon tief in Aktien drin, es ist wenig „Pulver“ für weitere Käufe vorhanden, und Kursanstiege brauchen dann neue Impulse. Umgekehrt bedeutet eine niedrige Investitionsquote, dass viel Liquidität am Seitenrand steht – was Potenzial für frische Nachfrage bietet.

Rückfrage

Lieber Herr Heibel,

Danke für Ihren Kommentar.

Allerdings verstehe ich nicht ganz, was Sie mit relativer Positionierung der Anleger meinen.
Hier gilt doch auch: die Gesamtheit der Anleger besitzt im Prinzip alle Aktien und alle Anleihen.
Die Positionierung der Gesamtheit Anleger ist daher stets gleich, da diese immer zu 100 % alle Aktien und Anleihen besitzen.

Die Begriffe "Investiert-Sein" und "Investitionsquote" sind für mich aus dem gleichen Grund nicht nachvollziehbar.
Die Gesamtheit der Anleger ist stets zu 100 % in alle Aktien "investiert" und die "Investitionsquote" ist dementsprechend ebenfalls immer 100%.
Die Gesamtheit der Anleger kann weder tief noch weniger tief in Aktien stecken. Sie steckt stets zu 100 % in Aktien, da sie alle Aktien besitzt.

Auch verstehe ich nicht, wie Liquidität am Seitenrand stehen kann.
Die Liquidität aller Markteilnehmer in Summe ist im Prinzip auch immer konstant (abgesehen von Liquiditätspolitik); sie wechselt nur den Besitzer.

Was natürlich Tatsache ist: dass wechselnde Mehrheiten von Anlegern psychologisch bullish oder bearish sind.
Wenn die genannten Finanz-Jargons dies im übertragenen Sinne zum Ausdruck bringen sollen, so sind diese aber wörtlich genommen völlig irreführend.
Und in keinem Falle liefern sie dem Laien eine korrekte Begründung für das Marktverhalten von Anlegern.

Oder verstehe ich da etwas falsch?

Mit freundlichen Grüßen
Volker

Rückantwort
Sie haben vollkommen recht: Die Gesamtheit aller Anleger besitzt immer 100 % aller Aktien und Anleihen, weil es ja keine „freien“ Aktien gibt. Wenn jemand verkauft, kauft jemand anderes, es gibt also keinen „Aggregatzustand“ des Marktes, in dem plötzlich weniger Aktien in Anlegerhand wären.

Was aber im Börsenjargon mit „Investiert-Sein“ oder „hoher Investitionsquote“ gemeint ist, ist keine Bestandsgröße, sondern eine Verhaltens- und Risikobereitschaftsgröße. Wenn ich sage, „Anleger sind stark investiert“, dann meine ich nicht, dass die Gesamtheit mehr Aktien hätte, sondern dass die typischen Portfolios vieler Anleger bereits einen hohen Aktienanteil haben, im Verhältnis zu dem, was sie theoretisch halten könnten (Anleihen, Cash, Gold, …).

Ein Fondsmanager könnte laut Mandat bspw. zwischen 50 % und 100 % seines Fondsvermögens in Aktien anlegen, der Rest liegt dann in Bar auf dem Konto. Hat er aktuell 95 %, gilt er als „hoch investiert“. Die Summe aller Fondsmanager-Entscheidungen ergibt ein Bild, das Marktbeobachter dann mit „Anleger sind stark investiert“ zusammenfassen. Ich gebe jede Woche die Investitionsquote der US-Fondsmanager an, da diese regelmäßig erhoben und veröffentlicht wird.

Liquidität „am Seitenrand“: Die Gesamtliquidität (Cash im System) ist konstant, abgesehen von der Zentralbankpolitik. Aber aus Marktsicht spielt es eine Rolle, wie viel dieses Cashs gerade bei Anlegern liegt, die es potenziell in Aktien umschichten können. Wenn viele institutionelle Anleger aktuell sehr viel Cash halten (z. B. 30 % statt 5 %), wird das oft als „viel Pulver am Seitenrand“ bezeichnet. Es ist also keine Gesamtmarktgröße, sondern ein Maß dafür, wie viel Kaufkraft bereitsteht, Aktien zu kaufen.

Wenn „alle schon drin sind“ (hoher Aktienanteil in vielen Portfolios), ist das Kaufpotenzial begrenzt, weil kaum noch jemand von Cash in Aktien umschichten kann.
Wenn dagegen viele Anleger noch „draußen“ sind (viel Cash-Anteil), kann bei positiven Nachrichten schnell Kaufdruck entstehen.

Vielleicht haben Sie ein geschlossenes System im Kopf, bei dem sich die Preise für Aktien und Anleihen stets auf 100% summieren. Das ist jedoch nicht der Fall, auch in einem geschlossenen System können sich die Preise nach oben entwickeln. Nehmen Sie ein geschlossenes System aus einem Unternehmen mit 100 Aktien zu je 1€ und einer Anleihe mit 100 Anteilen zu je 1€, beide zu jeweils 50% in der Hand von zwei Investoren. Anleger A hält also Aktien im Wert von 50€ und Anleihen im Wert von 50€, insgesamt also 100€. So auch Anleger B.

Nun möchte Anleger A seine Anleihequote um 10% verringern und möchte dafür Aktien kaufen. Der andere Investor kauft also Anleihen zu 1€/Stück, gibt seine Aktie jedoch nur zu einem deutlich höheren Kurs ab, sagen wir 2€. Er kauft also für 10€ Anleihen und verkauft 5 Aktie zu je 5€. Anschließend hat er also 60 Anleihen zu 1 € (=60€) und 45 Aktien, deren Wert entsprechend der jüngsten Transaktion nun bei 2€ liegen (2x45 = 90€). Insgesamt hält er also in seinem Depot Wertpapiere im Wert von 60+90 = 150€.

Anleger A hält nach der Transaktion noch 40 Anleihen zu je 1€ (= 40€) und 55 Aktien zu je 2€ (2x55 = 110€). Sein Depot ist nun also 40+110 = 150€ wert.

Lag der Gesamtwert beider Depots vorher noch bei 200€, so beträgt er nach der Transaktion 150+110 = 260€. Lag die Investitionsquote, wenn wir sie nur auf die Aktien beziehen, zuvor bei 50%, so liegt sie nach der Transaktion bei 160/207= 77,3%. Es ist „mehr“ geworden. Die Wirtschaft ist kein Nullsummenspiel, sondern wächst entsprechend der Produktivitätssteigerung und des Geldmengenwachstums. Prozentual betrachtet liegt nicht mehr 50% Liquidität am „Seitenrand“, sondern jetzt nur noch 22,7%.

Vielleicht hilft dieser Denkansatz :-).


 Frage vom 11.08.2025

#Modine Manufacturing: Schaufel für KI-Revolution

Hallo Hr. Heibel

Ich bin auf die Aktie Modine Manufacturing (MOD, WKN: 869795) gestoßen. Die Firma stellt Kühlsysteme u.a. auch für Rechenzentren her und gerade eine neue Investition von 100 Millionen $ in die Erweiterung ihrer Kapazitäten gesteckt.

Für mich hört sich das nach einer „Schaufekalktie“ aus der Goldgräberzeit an. Was halten sie von dieser Aktie?

Mit freundlichem Gruß
Andreas aus Ladenburg

 Antwort:

Ja, das sieht wirklich überzeugend aus: 58% des Konzernumsatzes stammen von Kühlsystemen (Climate Solutions). Nach Aussage des Managements war in diesem Bereich das Umsatzwachstum von 69% im vergangenen Geschäftsjahr durch die Kühlung von Hochleistungsrechenzentren getrieben, dieses Wachstum hält an.

In der Bilanz zeigt sich insgesamt ein Umsatzwachstum von 12%, der Gewinn sprang um 20% an. In den kommenden zwei Jahren wird ein Gewinnwachstum von 25-30% p.a. erwartet, auch das Umsatzwachstum soll auf 16% p.a. anziehen. Die Investitionen in Höhe von 100 Mio. USD gibt die Bilanz her, die Verschuldung ist gering.

Vor diesem Hintergrund ist die aktuelle Bewertung mit einem EV/EBITDA von 16 fair, wenn nicht sogar günstig. Auf Sicht von 2-3 Jahren dürfte die Aktie kräftig zulegen.


 Frage vom 11.08.2025

#ThyssenKrupp gliedert TK-Marine Systems aus

Hallo Herr Heibel,

würde es einen Sinn machen, ThyssenKrupp-Papiere zu kaufen, um bei der Abspaltung Aktien der TKMS zu bekommen? Ich sehe hier gewisse Parallelen zu Holcim.

MfG
Siegfried aus dem schönen Erfurt

 Antwort:

Wenn Sie gerne ThyssenKrupp Marine Systems haben möchten, dann würde ich die Papiere nach der Abspaltung kaufen und nicht zuvor inklusive dem ThyssenKrupp-Geschäft. Wenn Sie glauben, die Summe der Teile ist mehr wert als das Unternehmen derzeit, dann können Sie ja auf eine Kurssteigerung bis zur Ausgliederung spekulieren und ThyssenKrupp kaufen. Für mich agiert ThyssenKrupp derzeit in einem schweren Markt, die Autoabsätze sind schwach, die Energiekosten hoch. Die Aktie hängt stärker an der Politik als an eigenen Entscheidungen. Das ist kein Bereich, in dem ich gerne spekuliere.


 Frage vom 11.08.2025

#Bewegen ETFs Aktien? Wirkung von Konjunkturdaten

Sehr geehrter Herr Heibel,

ich hoffe, das Sie noch sehr lange diese tolle Analyse betreiben können.

Meine 1. Frage: Ist das gesamte ETF Fondsvolumen auf die amerikanischen Indizes größer als die Marktkapitalisierung selber?

Zur besseren Veranschaulichung: 4,47 trillion Dollars ist die Marktkapitalisierung von Nvidia, welche ja auch in ETFs vorhanden ist. Sind also die ETF Anteile von Nvidia größer als 4,47 trillion Dollars, was bedeuten würde, das ETFs für mehr Bewegung bei der Aktie sorgen als die Aktionäre selber, oder haben ETFs nur einen geringen Einfluss auf den Markt?

2. Frage: Welche Wirtschaftsdaten zählen zum Wachstum und welche zur Inflation bezogen auf den Wirtschaftszyklus, Folgende Daten meine ich: GDP, ppi, cpi, pmi (manufacturing, Services), pce,non farm Payrolls, unemployment claims. Gdp gehört zum Wachstum und cpi, sowie pce zur Inflation, nur bei den anderen Daten die ich aufgezeigt habe bin ich mir nicht sicher. Zudem fehlt mir die Grundlage zur Beurteilung, wenn ppi steigt und cpi fällt, oder ppi bleibt gleich und cpi fällt etwas im Wert. Diese Kennzahlen muss ich ja auch für den Wirtschaftszyklus einschätzen können, wenn Aktien steigen, fallen, oder sich seitwärts bewegen durch Aktionäre und ETF Fonds.

Ich hoffe Sie wissen wie ich das meine und können mir da Ratschläge geben.

Mit freundlichen Grüßen, Dennis aus Heinsberg

 Antwort:

Vielen Dank für das Lob :-).

Zu 1.: Die Frage ist, ob die „ETF-Welt“ in Summe so groß ist, dass sie die eigentliche Marktkapitalisierung der zugrunde liegenden Indizes oder Einzelaktien übersteigt und ob ETFs quasi zum dominierenden Preistreiber werden.

Das Gesamtvolumen der in ETFs investierten Gelder ist nicht größer als die Marktkapitalisierung der Indizes oder einzelner Aktien wie Nvidia. Das Verhältnis sieht in der Praxis deutlich kleiner aus. Speziell für Nvidia wird geschätzt, dass 10-20% aller ausstehenden Aktien von ETFs gehalten werden.

Der zweite Teil Ihrer ersten Frage lässt sich nochmals zweiteilen: Zum einen findet der Großteil der Bewegung in ETFs nur in den Büchern der ETF-Emittenten statt, denn über die Börse wird nur ein „Spitzenausgleich“ vorgenommen. Das heißt, wenn Anleger ETF-Anteile verkaufen, gibt es häufig andere Anleger, die diese Anteile kaufen. Der ETF verändert dadurch sein Volumen nicht und somit werden durch Kauf und Verkauf dieser ETF-Anteile keine Aktien, also auch keine Nvidia-Aktien, bewegt. Lediglich zu Zeiten, wo wesentlich mehr Anleger auf der einen (Kauf) oder anderen (Verkauf) Seite stehen, muss der ETF-Emittent die entsprechende Volumenänderung im ETF durch Transaktionen (Kauf oder Verkauf) an der Börse nachvollziehen.

Der zweite Teil des zweiten Teils Ihrer ersten Frage ;-) ist eine mögliche Strategieänderung beim ETF-Betreiber. Wenn also bspw. die Zusammensetzung des ETFs geändert wird, sei es zu Lasten, sei es zu Gunsten von Nvidia, dann werden ebenfalls über die Börse Transaktionen (Kauf oder Verkauf) getätigt, um die neue beabsichtigte Gewichtung zu erzielen. Dies ist bei Index-Fonds nur dann der Fall, wenn der Index verändert wird. Da der Großteil des Kapitals in Indexfonds angelegt wird, ist dieser Effekt also sehr selten.

Lediglich ETF-Betreiber, die aktiv in die Struktur ihres ETFs eingreifen, können dann einen besonderen Druck (Kauf oder Verkauf) auf eine Aktie auslösen.

Nennenswerte Effekte, die auch ich im Heibel-Ticker immer wieder aufgezeigt habe, folgen in der Regel aus einem angestiegenen Spitzenausgleich: Wenn Anleger bspw. in Panik geraten und Ihr Kapital aus ETFs abziehen, dann sinkt das ETF-Volumen stark und entsprechend müssen dann alle Aktien aus dem ETF anteilig verkauft werden. Wenn also bspw. die US-Konjunktur Probleme hat und Anleger vom S&P 500 ETF lieber in Anleihen oder Gold investieren wollen, dann führen die anteiligen Verkäufe in allen Aktien, die im S&P enthalten sind, zu Verkaufsdruck. Da nun Nvidia aufgrund seiner Größe einen sehr großen Anteil am S&P 500 ausmacht, werden dann tatsächlich insbesondere Nvidia-Aktien verkauft, obwohl Nvidia nicht zur „Industrie“ gehört, sondern als disruptives Unternehmen der Technologiebranche einer Sonderkonjunktur unterliegt, die von diesen Schwankungen derzeit unabhängig ist. Solche Kursrückschläge in Nvidia empfehle ich dann im Heibel-Ticker zum Kauf.

Zu 2.:
Wachstumsindikatoren – messen die Aktivität und Dynamik der Wirtschaft
- GDP (Bruttoinlandsprodukt) → Hauptmaß für das Wirtschaftswachstum. Steigt es, läuft die Wirtschaft; fällt es, droht Rezession.
- PMI (Purchasing Managers’ Index, Werte über 50 bedeuten Expansion, unter 50 Kontraktion.)
- Manufacturing PMI → Frühindikator für Industrieproduktion.
- Services PMI → Frühindikator für den Dienstleistungssektor.
- Non-Farm Payrolls → Zeigt monatlich, wie viele neue Jobs (außer Landwirtschaft) geschaffen wurden. Starkes Wachstum = robuste Konjunktur.
- Unemployment Claims (Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe) → Kurzfristiger Arbeitsmarktindikator. Steigende Anträge = schwächerer Arbeitsmarkt.

Inflationsindikatoren – messen Preisentwicklung und Kaufkraftveränderungen
- CPI (Consumer Price Index) → Preisentwicklung für Konsumenten. Hauptindikator für Inflationsdruck bei Endverbrauchern.
- PPI (Producer Price Index) → Preisentwicklung auf Produzentenebene (Großhandel, Rohstoffe). Führt oft den CPI an, weil steigende Erzeugerpreise später an Verbraucher weitergegeben werden.
- PCE (Personal Consumption Expenditures) → Lieblingsmaß der US-Notenbank, weil es breiter gefasst ist als der CPI. Kern-PCE (ohne Lebensmittel/Energie) besonders wichtig für Zinsentscheidungen.

Wenn Daten gegeneinanderlaufen,
1. bspw. der PPI steigt, der CPI fällt, dann zahlen Produzenten mehr, geben die Kosten aber (noch) nicht weiter. Das kann auf Margendruck bei Unternehmen hindeuten, kurzfristig sogar deflationär für Konsumenten wirken, aber mittelfristig Inflation nach sich ziehen, wenn Firmen gezwungen sind, Preise zu erhöhen.
2. bspw. der PPI stabil ist, der CPI fällt, dann bleibt der Kostendruck in der Produktion gleich, Konsumentenpreise sinken. Könnte heißen, dass Wettbewerb, Rabattaktionen oder sinkende Nachfrage Unternehmen zwingen, Waren mit Verlust zu verkaufen, ein Zeichen für nachlassende Wirtschaftsdynamik.
3. der PPI fällt, der CPI bleibt hoch, dann lässt der Kostendruck in der Produktion nach, aber Preise für Konsumenten bleiben oben. Das spricht oft für „sticky inflation“ (träge, schwer rückläufige Inflation), z. B. wegen der Löhne oder Mieten.

Einordnung im Wirtschaftszyklus und Börsenwirkung: Im klassischen Vier-Phasen-Zyklus gilt:
1. Frühe Expansion – Wachstum beschleunigt sich, Inflation niedrig → Aktien steigen, Anleihen seitwärts.
2. Späte Expansion – Wachstum hoch, Inflation steigt → Aktien volatil, Zinsen hoch, Sektorenrotation zu Value.
3. Abschwung/Rezession – Wachstum fällt, Inflation fällt verzögert → Aktien fallen, Anleihen gefragt.
4. Frühe Erholung – Wachstum stabilisiert sich, Inflation niedrig → Aktien starten neuen Bullenmarkt.

Ob Aktien steigen oder fallen, hängt primär an der Interpretation der Daten im Kontext des aktuellen Zyklus. ETFs verstärken dabei nur die Marktbewegung, sie schaffen somit keine eigenen Impulse, führen aber oft zu Übertreibungen.

Ich hoffe das hilft :-).